Krankentransport im Strahlenmesswagen

Mit Handwagen und Pferdefuhrwerken begann die Geschichte des Krankentransports in Niederhöchstadt vor 80 Jahren. Im November 1929 gründete sich die freiwillige Sanitätskolonne des Roten Kreuzes in dem Dorf am Westerbach, erzählt der heutige Vereinsvorsitzende Günter Eichner. Umgebaute Lastwagen waren damals ein Luxus, wenn es darum ging Verletzte und Kranke zu transportieren. Erst 1959 kam das erste Fahrzeug in den Ortsverein und dies war noch nicht mal ein eigenes, sondern gehörte zur Strahlenhilfszugstaffel in Fritzlar.

Der Niederhöchstädter Wolfgang Kleist hatte die ehrenamtliche Aufgabe des Landesfachdienstleiters für den Strahlenschutz in Hessen übernommen. Der Gymnasiallehrer war ein engagierter Rotkreuzler und sorgte dafür, dass ein Strahlenmesswagen (Foto) aus dem Fritzlarerer Fuhrpark bei seinem Ortsverband in Niederhöchstadt stationiert wurde. Mit der zusätzlich zu den Messgeräten eingebauten Krankentrage konnten auch hilfsweise Verletzte transportiert werden. In den alten Niederschriften zur Vereingeschichten kann man nachlesen, wie Wolfgang Kleist das Einsatzfahrzeug mit Decken und Laken weiter ausstattete und damit 1959 auch die ersten Sanitätsdienste bei Veranstaltungen und auf dem Sportplatz durchführte.

Günter Eichner hat nur diese alten Niederschriften von Erzählungen früherer Mitglieder, aus denen er die Geschichte des Ortsvereins rekonstruiert, weitere Dokumente aus der Gründerzeit und den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg existieren leider nicht mehr.

1969, so wird berichtet, erhielt Wolfgang Kleist seine Lehrberechtigung für die Erste-Hilfe-Ausbildung. Von da an fand jeden 4. Samstag im Monat Unterricht für die Mitglieder im Ortsverein statt. Zu den Gründungszeiten, Ende der 20er-Jahre, mussten sich die Sanitätskolonnen immer in der Nähe eines ausbildenden Arztes ansiedeln, erzählt Günter Eichner. Eine andere Möglichkeit der Sanitätsausbildung für freiwillige Helfer gab es damals noch nicht. Niederhöchstadt hatte damals als kleines Dorf mit seinen rund 1.400 Einwohnern somit bereits den Vorteil einer eigenen sanitätsdienstlichen Betreuung.

Anfang der 70er Jahre wählte die inzwischen gewachsene Mitgliederschar Wolfgang Kleist zu ihrem Vorsitzenden. In dieser Zeit absolvierte auch das erste Mitglied aus dem Ortsverein seine Ausbildung zum hauptamtlichen Krankenwagenfahrer und konnte damit beim Kreisverband des Roten-Kreuzes in Hofheim für den Rettungsdienst eingesetzt werden.

Mit der Eingemeindung von Niederhöchstadt nach Eschborn 1972 änderte sich die Bezeichnung des Vereins in „Ortsverband“. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläum 1979 konnte das Rote Kreuz in Niederhöchstadt sein erstes eigenes Fahrzeug kaufen, einen VW-Bus. Dieser Mannschaftstransportwagen sollte im Katastrophenfall Sanitäter zur Unglücksstelle und Leichtverletzte zum Sanitätsplatz transportieren. Die Sammlung bei Eschborner Firmen und ein Zuschuss vom Magistrat machten die Anschaffung möglich.

Im Jahr 1979 wuchs die Mitgliederzahl auf den Spitzenwert von 440 an, was seit dem nicht mehr erreicht werden konnte. Heut zählt der Ortsverband 309 Mitglieder berichtet Martha Eichner, die Frau des Vorsitzenden und gleichzeitig auch Leiterin der Sozialarbeit.

Den Wechsel vom Arbeitsschwerpunkt Sanitätsdienst und Katastrophenschutz hin zur Gemeinschaft für Wohlfahrts- und Sozialarbeit vollzog der Ortsverband auch im viel besagten Jahr 1979, unter der damaligen Vorsitzenden Maria de Haag. Seit dem gibt es ein wöchentlich umfangreiches Kursprogramm an Gymnastik- und Gesundheitsvorsorge für Seniorinnen und Senioren.

Die Mitarbeit im Blutspendedienst ist im Ortsverband seit den 70er Jahren erhalten geblieben und so erinnert Günter Eichner an den nächsten Termin am 10. Dezember. Zwischen 14:30 und 20:30 Uhr können alle Blutspender ins Erlebnishaus in der Odenwaldstraße in Eschborn kommen.

(veröffentlicht im Höchster Kreisblatt am 24.12.2009)