"Verkehrs-Zähmer-Projekt"

Zu Fuß zur Schule statt mit dem Elterntaxi

Eschborn. Wie bekommt man das allmorgendliche Verkehrschaos vor der Schule in den Griff und tut gleichzeitig was für die Gesundheit der Kinder und für die Umwelt? Mit dem „Verkehrs-Zähmer-Projekt“. Die Schülerinnen und Schüler der Hartmutschule sollen zukünftig nicht mehr mit dem Auto zum Unterricht gebracht werden, sondern sich an Sammelpunkten treffen und gemeinsam zu Fuß gehen. Da sind die Kernpunkte im Konzept zur Mobilitätserziehung, mit dem die Grundschule ab 2. November startet.

Hintergrund für das Projekt ist die chaotische und gefährliche Verkehrssituation, die morgens immer kurz vor acht im Dörnweg entsteht. Die Hartmutschule, die Heinrich-von-Kleist-Schule (HvK) und die Kita Dörnweg liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander und damit kommt es zu einer Ballung an „Elterntaxis“ zu den Stoßzeiten. Hinzu kommen die Schulbusse, die ebenfalls zwischen den parkenden Autos der Eltern und der Anwohner hindurch müssen.

Die Hartmutschule und die Stadt Eschborn haben deshalb gemeinsam das Verkehrs-Zähmer-Projekt angestoßen und zum Auftakt einen Infoflyer an alle Eltern verschickt. Am Dienstagabend fand dann eine Informationsveranstaltung statt, bei der es um die Details des dreistufigen Konzepts ging. An vier Sammelpunkten sollen ab kommenden Montag zur ersten Unterrichtsstunde Schülerlotsen warten, die gemeinsam mit den Kindern in einer Gruppen zur Schule laufen. In der ersten Projektwoche werden Kräfte der städtischen Ordnungspolizei diese Lotsenaufgabe übernehmen. Schulleitung und Magistrat beabsichtigen mit dem Konzept nicht nur eine Entspannung der Verkehrssituation, sondern wollen auch die Gesundheit der Kinder durch mehr Bewegung fördern, die sozialen Kontakte untereinander stärken und die Verkehrserziehung ausweiten.

Der Erste Stadtrat Mathias Geiger erläuterte am Anfang des Infoabends, dass nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich 2 Millionen Menschen an den Folgen von Bewegungsmangel sterben. In Deutschland habe sich die Zahl der übergewichtigen Schulanfänger in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Für den Ersten Stadtrat heißt deshalb das „Zauberwort“ Verbeugung und dazu gehöre auch den täglichen Schulwegweg zu Fuß zurück zu legen. Ein täglicher 15-minütiger Schulweg zu Fuß bedeutet 2,5 Stunden mehr Bewegung pro Woche.

Als Anreiz für die Kinder gibt es ein Punktesystem. Ziel für jede der 15 Klassen in der Hartmutschule soll das Sammeln von zehn Mal so vielen Punkten wie Schülern pro Klasse sein. Für jeden Tag, an dem der Schulweg zu Fuß absolviert wurde, gibt es pro Kind einen Punkt. Zusätzliche Punkte können durch das Aufschreiben von Schulwegabenteuern gesammelt werden, für Schulleiterin Catrin Taplick eine ideale Verzahnung mit dem Deutschunterricht. Am Ende winkt eine durch die Stadt Eschborn gesponserte Überraschung für die ganze Klasse.

Die Idee ein solches Projekt an der Hartmutschule umzusetzen stammt von Cathrin Spilarewicz, sie ist Klassenlehrerin in der 3 d und hatte von ähnlichen Maßnahmen in anderen Schulen gelesen. Das Verkehrs-Zähmer-Projekt gliedert sich in die drei Phasen: Nach dem Kennen lernen folgt die Phase, in der alte Gewohnheiten aufgebrochen und neue etabliert werden und am Ende steht das gemeinsame Feiern. Damit der „Fahr- und Holtourismus“, wie ihn Mathias Geiger nennt, stadtweit eingedämmt wird, sind Gespräche auch mit der benachbarten HvK und den anderen Schule bereits geplant.

340 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Hartmutschule, zum Infoabend erschienen aber nur 22 Eltern. Für die gab es am Ende der Veranstaltung interessante Einblicke in die aktuellen Zahlen der Unfallstatistik mit Kindern im Straßenverkehr. Jens Uve Schödter von der Verkehrswacht Main-Taunus erläuterte, dass im Jahr 2008 bei den Null- bis Sechsjährigen Unfallopfern 1.555 zu Fuß unterwegs waren, 427 mit dem Fahrrad und 3.419 in einem Auto mitfuhren. Besondere Aufmerksamkeit gab es für die grafische Darstellung wie sich Reaktionszeit und Bremsweg verändern, wenn in einer Tempo-30-Zone mit 50 km/h gefahren wird. Daher ist für Schödter einer der wichtigsten Lehrsätze für kleine Kinder in der Verkehrserziehung: „Bordstein heißt Stoppstein“.

(in gekürzter Fassung übernommen vom Höchster Kreisblatt)