Westerbach

Umweltkommissariat sucht Zeugen und Hinweisgeber

Weitere Rechercheergebnisse zur Ölverschmutzung und Details von den Ereignisabläufen am Freitagabend:

Nur der Besitzer des Öltanks weiß, wie viel genau von der roten Brühe in den Überlaufkanal für Regenwasser gelangte. Rund 1000 Liter der ölhaltigen Substanz, über die immer noch keine offiziellen Laborergbnisse vorliegen, konnten an einer Barriere im Westerbach gestaut und abgepumpt werden.

Interessante Melde- und Einsatzzeiten

Im Einsatzbericht auf der Seite „feuerwehren-eschborn.org“ steht: „Gegen 17 Uhr wurde der Feuerwehr Eschborn eine rötliche, stark riechende Flüssigkeit auf dem Westerbach gemeldet.“

Auf der Facebook-Seite „Feuerwehr Eschborn“ ist zu lesen: „Alarmiert wurden wir um 17:37 Uhr zu auslaufenden Betriebsstoffen im Westerbach.“

Die Polizei wurde nach eigenen Angaben um 19:07 Uhr von der Rettungsleitstelle in Hofheim benachrichtigt. In veröffentlichten Meldung heißt es dazu heute: “ Vor Ort stellten die Polizeibeamten eine teilweise Rotfärbung des Baches sowie einen unangenehmen Geruch fest. Augenscheinlich wurde der Bach mit einer ölhaltigen Flüssigkeit verunreinigt, die zuvor aus einem Überlaufkanal entwichen war.“

Auf Nachfrage erklärte ein Feuerwehrsprecher heute, dass die Berufsfeuerwehr Frankfurt um 20:28 Uhr alarmiert worden sei und mit sechs Fahrzeugen und 16 Einsatzkräften zum Westerbach zunächst im Bereich der Adolph-Prior-Straße ausrückte.

Nachdem dort keine Wahrnehmungen gemacht werden konnten, verlegten die Einsatzkräfte nahe der Gemarkungsgrenze zu Eschborn, vor und hinter der Autobahnbrücke, jeweils einen Ölschlängel . Zwei weitere Barrieren errichtete die Berufsfeuerwehr im Mündungsbereich vom Westerbach in die Nidda.

Spannende Fragen

Wenn man testweise einen Liter Heizöl auf Höhe der Kita Raupenland in den Westerbach kippen würde, wie lange dauert es, bis dieser die Nidda erreicht?

Wie lang dauerte es von der ersten Mitteilung der Ereignisse durch Passanten, bis die Haupt-Ölbarriere in den Unterwiesen stand?

Wie viel Öl war bereits im Westerbach unterwegs, bevor überhaupt Passanten die Entdeckung machten?

Dem Verursacher auf den Fersen

Im Einmündungsbereich „An den Neuwiesen/Unterortstraße“ blockierte die Feuerwehr mit einem „Gully-Ei“ den Kanal, um weiteres Nachlaufen von Öl in Richtung Westerbach zu verhindern. Die polizeilichen Ermittlungen konzentrierten sich nun auf den oberen Teil des Überlaufkanals und damit auf die Mainstraße.

Es gibt zwei Möglichkeiten Flüssigkeiten in den mit dem Westerbach direkt verbundenen Kanal einzubringen: Über einen Gullydeckel auf der Straße, oder über einen Zulauf aus einem angrenzenden Grundstück.

Es finden sich unzählige Zeitungsberichte im Internet, bei denen beispielsweise durch die Betankung von Wohnhäusern, oder durch Risse oder Arbeiten an Tanks, Heizöl in die Kanalisation gelangte. Allerdings konnte die Ausbreitung meistens spätestens im nächsten Klärwerk gestoppt werden.

Im Eschborner Fall geht es aber um einen Regenwasserüberlauf, der direkt in den Westerbach mündet, ohne Klärwerk dazwischen. Weil es hier normalerweise gar keine direkte Verbindung in einen Heizungskeller geben dürfte, stehen die Ermittler vor einem Rätsel.

Alle bisherigen Überprüfungen und Befragungen im Bereich des vermuteten Tatorts brachten bislang keinen Tatverdächtigen. Das Umweltkommissariat aus Hattersheim sucht deshalb weitere Zeugen und Hinweisgeber.

Kam die Eschborner Kanalkamera überhaupt und rechtzeitig zum Einsatz?

Wie Polizeisprecher Johannes Neumann heute sagte, hat die Kriminalpolizei bislang noch keine Kamerauntersuchung der Kanalrohre im Bereich der Häuser durchgeführt. Inzwischen dürfte es zu spät sein, auf diesem Weg noch Spuren zu finden, weil der Regen seit dem Wochenende für weitere Spülung gesorgt hat.

Aus Feuerwehrkreisen hieße es dazu am Sonntag, der Eschborner Bauhof verfüge über eine „Kameraroboters“ für die Kanalrohre. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung, ob diese Möglichkeit genutzt wurde und mit welchen Ergebnis, stieß auf unerwartet Auskünfte aus der Pressestelle. Dies sei Sache der Polizei, weil eventuell eine Straftat vorliege. Man habe auch noch kein Ergebnis und wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen.

Thema Umweltschäden

Bislang hat der Main-Taunus-Kreis die zugesagte Beantwortung der Presseanfrage noch nicht geliefert. Sachlich zuständig für die Beurteilung von möglichen Umweltschäden in den Uferbereichen des Westerbachs ist die „Untere Wasser- und Bodenschutzbehörde“ im Landratsamt.

[green_box]Artikelchronologie:

13.05.2018  Auf der Suche nach dem Verursacher
12.05.2018  1000 Liter ölhaltige Substanz in den Westerbach gelangt[/green_box]

Fazit

Mindestens 1000 Liter Öl in einem Fahrzeug zu transportieren und es über einem Gully abzulassen, müsste Zeugen aufgefallen sein. Wäre die Ablassgeschwindigkeit sehr groß, hätten die Einsatzkräfte Verschmutzungen um den Gullydeckel herum gefunden. Eine langsame Tankentleerung über einen kleinen eingehängten Schlauch hätte sehr lang gedauert.

Ein Unfall bei einer Hausbetankung wäre ebenfalls aufgefallen, alleine schon durch die Geruchsbelästigung im unmittelbaren Umfeld der Straße, wenn mehr als 1000 Liter Heizöl in den Gully laufen. Ganz davon abgesehen, dass sich im Gullysieb Spuren gefunden hätten.

Irgendwo scheint es einen verdeckten Zugang zum Überlaufkanal zu geben. Entweder hat den jemand absichtlich für eine illegale Entsorgung genutzt, oder in einem Keller stinkt es jetzt furchtbar nach Öl. Der Hausbesitzer schweigt dazu, in Anbetracht der Rechnung für den Feuerwehreinsatz und die Beseitigung von möglichen Umweltschäden.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben am Freitag an fünf Stellen Proben gezogen, die Laborergebnisse werden mit Spannung erwartet.