Regie führt der sterbende Mensch

Der Weg vom Leben in den Tod ist durch einen deutschlandweiten Zuwachs an ambulanten und stationären Hospizinitiativen zum Bestandteil des „Gesundheitsmarktes“ geworden und unterliegt damit auch betriebswirtschaftlichen Zwängen. Was macht christliche Hospizarbeit aus, was sind die evangelischen Standpunkte? Diesen Fragen widmete sich ein Vortrags- und Diskussionsabend in der Evangelischen Kirchengemeinde in Bad Soden am Taunus.

Für Bad Soden hat das Thema eine besondere Relevanz, dort soll das erste buddhistische Hospiz Deutschlands entstehen. Diese stationäre Einrichtung mit ihren 12 Betten und der Bau des geplanten ökumenischen Hospizes in Flörsheim würden zu Überkapazitäten im Main-Taunus-Kreis führen, fürchtet der evangelische Diakonieverband.

Robert Cachandt erklärte, dass es derzeit von den Krankenkassen noch keine Bedarfsberechnung an stationären Hospizen für Deutschland gibt. Jede Einrichtung muss sich selbst um ihre Finanzierung kümmern, was zu einer Konkurrenzsituation auf dem „Sterbemarkt“ führt. Potentielle Sponsoren und öffentliche Geldgeber werden deshalb von allen Seiten umworben.

Wie weltanschaulich neutral kann und darf Hospizarbeit sein? „Regie führt der sterbende Mensch“, das ist für Pfarrer Cachandt der Leitsatz. „Es zählen die Werte des Gastes im Hospiz“. Die letzten Sinnfragen des Lebens wollen beantwortet werden und hier kommt die ganz persönliche Spiritualität des Sterbenden ins Spiel. Robert Cachandt nennt das „Der Mensch in seiner Eigenheit als Sterbender“.

Aus seinem Glauben zieht der Schwerkranke Kräfte und Trost, Rituale und Kommunikation sind dabei ganz wichtig. Auch im evangelischen Bereich werden Engelsfiguren in zitternde Hände gelegt und die Salbung findet wieder Akzeptanz, als tröstende und entlastende Handlung, erklärt Cachandt. „Ein gläubiger Mensch stirbt in die Freiheit des Todes hinein. Der Heilige Geist gibt dem Unfassbaren einen Raum und eine Sprache.“ Das Bekenntnis zum dreieinigen Gott und der Verweis Cachandts auf den kleinen und großen Katechismus Luthers machen für den Zuhörer deutlich, dass Sterbebegleitung für einen getauften Christen nur schwer kombinierbar mit fernöstlichen Religionen ist. Das buddhistische Hospiz in Bad Soden will zwar konfessionell neutral sein, aber als Arbeitsgrundlage soll nach Auskunft der Vorsitzenden des Trägervereins das tibetische Totenbuch dienen.

Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erklärte Eberhard Kühn, der Dekan des Dekanats Kronberg, er habe Zweifel, ob so ein interreligiöses Konzept funktionieren kann.

(veröffentlicht in der Evangelischen Sonntags-Zeitung vom 08.11.2009)