Inklusion: „Deutlich machen, wo es hängt“

Der Einbau eines behindertengerechten Aufzugs in der Westerbachhalle sei der Startschuss für städtische Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit gewesen, erinnert sich Stephan Schwammel.  Er sitzt seit 1985 für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung und leitet seit 25 Jahren die Ortsgruppe des Sozialverbands VdK.

Letzten Dienstag war er mit seinem Rolli bei der Begehung der Berliner Straße dabei, die erste Außenaktivität des neuen städtischen Arbeitskreises Inklusion. Bisher hatte der VdK diese jährlichen Vorort-Termine organisiert, bei denen immer zu einem Thema oder in einem ausgewählten Straßenbereich mit Betroffenen zusammen geschaut und geprüft wird, wie es um die Barrierefreiheit steht und was noch zu tun ist.

In der Berliner Straße 31-35 befindet sich ein bekanntes Wohn- und Geschäftshaus, mit zahlreichen Fachärzten. Auf dem Gehweg, vor diesem für viele Bürger wichtigen Gebäude, fehlt aus Sicht der Teilnehmer ein so genannter taktiler Mittelstreifen, an dem sich sehbehinderte Menschen orientieren können. Vor der Treppe zum Ärztehaus soll ergänzend ein Auffindestreifen angebracht werden. Die Treppe selbst ist bereits Privatgrundstück, da sei die Stadt auf die Einsicht und Mithilfe des Eigentümers angewiesen, erklärte Susanne Däbritz. Die Rathausmitarbeiterin koordiniert den Arbeitskreis Inklusion, der sich alle 4 – 6 Wochen trifft.

Ampeln ohne Pilotton

Weiter auf der Route geht es vorbei an der Grundschule Süd-West. Die dortige Fußgängerampel hat wie die meisten Lichtzeichenanlagen keinen Pilotton als Orientierungshilfe für Sehbehinderte und die Signaltöne sind aus Sicht der Betroffenen zu leise. Nur 50 Meter weiter, vor dem kleinen Ladenzentrum in der Berliner Straße wird gerade eine weitere Ampel gebaut, die gehört zum Schulweg. Theoretisch bräuchte man in nur 30 Metern schon die nächste, stellte Susanne Däbritz fest, denn dort, auf Höhe der Shell-Tankstelle, war früher ein Zebrastreifen und  heute wechseln noch viele Senioren an dieser die Straßenseite, auf ihrem Weg zum städtischen Nachbarschaftstreff im Zeilsheimer Weg.

Ob das nicht zu viele Ampeln auf kurzer Strecke wären, will Stefan Lambert prüfen. Er gehört zum städtischen Tiefbauamt und schrieb fleißig während der Begehung mit.

Wann kommt endlich der geplante Kreisel?

Eine deutliche Herausforderung für behinderte Menschen ist die große Kreuzung Berliner-/Hamburger Straße. Erster Stadtrat und Sozialdezernent Thomas Ebert, der an der Begehung teilnahm, hofft, dass dieser innerstädtische Verkehrsknotenpunkt in den nächsten zwei Jahren wie geplant zum Kreisverkehr umgebaut wird. Derzeit sind zu Stoßzeiten die Signaltöne an den Ampeln viel zu leise und einer der Ampelmasten in Richtung Hamburger Straße steht auf einem Podest, für Sehbehinderte ein Unding, findet Rainer Hahn, der als Betroffener die Tücken in Eschborn bestens kennt.

Fahrradfahrer im Tunnel ausbremsen

20160321-inklusion-3Letzter Punkt bei der Begehung war die Fußgängerunterführung zur Paulstraße, die auch von Fahrradfahrern gerne genutzt wird, deshalb sind mehrere Drängelgitter auf der Strecke. Die sollen nach dem Willen der Teilnehmer auch bleiben. Ein beidseitiges Geländer an den Schrägen ist aber wünschenswert, da gerade Menschen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, teilweise nur noch einen Arm zum Festhalten nutzen können. Bleibt noch zu erwähnen, dass der Boden der Unterführung „gekärchert“ werden soll, weil dieser bei Regen, aufgrund von allen möglichen Rückständen der letzten Monate, schnell zur Rutschbahn wird.

„Diese Begehungen sind wirklich notwendig, um deutlich zu machen, wo es hängt“, ist das Fazit für Stephan Schwammel, der übrigens gerade wieder neu in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde und damit der Inklusion in Eschborn auch weiterhin eine parlamentarische Stimme gibt.