Rund 250 Muslime demonstrierten am Sonntag in Frankfurt am Main gegen die Verurteilung und Verunglimpfung des Islam. Anlass war das Anzünden eines Korans am Samstag vor einer Woche in Stockholm vor der türkischen Botschaft.

Ab 12 Uhr versammelten sich immer mehr Teilnehmer in der Bockenheimer Landstraße, im Frankfurter Westend, gegenüber dem Schwedischen Honorarkonsulat. Organisiert hatten die Demo Mitglieder der Pakistanisch Islamischen Gemeinde aus dem Stadtteil Oberrad.

Nazar Hussain, der selbst 15 Jahre im Gemeindevorstand aktiv war, betonte gegenüber ReporterBlick, dass die gesamte pakistanische Community hinter der Protestveranstaltung stehe. Weiterhin hätten sich auch türkischstämmige Gläubige angekündigt.
Zu wenig Aufstellfläche eingeplant
Immer mehr Teilnehmer trafen ein, die teilweise die islamische, die pakistanische oder die türkische Flagge oder selbstgemalte Schilder dabei hatten. Aufgrund der Vorgabe der städtischen Versammlungsbehörde sollte die Demo nicht auf dem Vorplatz des bekannten Hochhauses stattfinden, in dem die Räume des Schwedischen Honorarkonsulats untergebracht sind, sondern auf dem Bürgersteig gegenüber.
Dass dieser bei der angemeldeten Teilnehmerzahl von bis zu 300 Personen nicht ausreichte, hätte klar sein müssen. Und so verteilten sich die Demonstranten hauptsächlich auf der Grünfläche vor dem Trition-Haus, was allerdings Privatgelände ist. Das rief den Sicherheitsdienst des Objekts auf den Plan. Eine Führungskraft versuchte mit dem Einsatzleiter der Polizei und den Organisatoren der Demo eine Lösung zu finden, die letztendlich in einer Duldung bestand. Allerdings mussten die aufgehängten Flaggen wieder von den Gittern der Parkhauszufahrt entfernt werden.
Arabisch, pakistanisch und deutsch gemischt
Ein islamischer Gebetsgesang bildete den Auftakt zum inhaltlichen Teil der Protestveranstaltung. Anschließend fasste ein Redner die Ereignisse in Schweden aus seiner Sicht zusammen und sagte, dass die von der dortigen Regierung zugelassene Koranverbrennung den Zorn von weltweit über einer Milliarde Muslime auf sich gezogen habe. Eine geplante Bibel- und eine Toraverbrennung seien verboten worden, nicht aber das Anzünden des Korans. In Deutschland habe die gleiche Person keine Erlaubnis erhalten, wofür man die deutsche Regierung ausdrücklich loben müsse.
Gemeint war der dänisch-schwedische Rechtsextremist Rasmus Paludan, der am Samstag vor acht Tagen vor der türkischen Botschaft in Stockholm eine Ausgabe des für Muslime heiligen Buchs verbrannte.
Forderung nach Respekt
Der nächste Redner äußerte sein Unverständnis darüber, dass der Koran als Buch des Friedens aus reinem Hass verbrannt worden sei und das straffrei und unter Polizeischutz. Alle Heiligen Schriften, ob Koran, Bibel oder Tora, verdienten Respekt. Als Lehre aus diesem Ereignis sollte man sich viel mehr mit den Inhalten des Korans auseinandersetzen.
Die härtere Gangart
Eine weitere Person am Mikrofon redete sich regelrecht in Rage, allerdings nicht auf deutsch, sondern auf pakistanisch. Die Inhalte blieben den wenigen Passanten, die um die Mittagszeit auf der Bockenheimer Landstraße unterwegs waren, verborgen. In einem verteilten Handzettel, der an den Honorargeneralkonsul adressiert war, wird an zwei Textstellen sogar vor Unruhen gewarnt. In der Einleitung heißt es: „Wir möchten Ihnen hiermit aufzeigen, dass in Ihrem Land Schweden einige terroristische Vereinigungen die Meinungsfreiheit missbrauchen, um dem Propheten des Islams Muhammad (Friede sei mit ihm) zu verleumden, den Quran unsittlich behandeln und erneut versuchten den Quran öffentlich zu verbrennen.“

Der Wert der Meinungsfreiheit
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson twitterte am vorletzten Wochenende nach den Ereignissen in Stockholm von der Bedeutung der Meinungsfreiheit in einer Demokratie. Aber er äußerte auch seine Missbilligung für die nach schwedischem Recht legale Aktion, „Bücher zu verbrennen, die vielen heilig sind, ist ein höchst respektloser Akt“.
Der Honorargeneralkonsul war am Sonntag nicht anwesend, so dass die Demonstranten den an ihn andressierten Handzettel lediglich in den Briefkasten werfen konnten.
Die nächste Provokation
Medienberichten zufolge gab es bereits am vergangenen Freitag eine erneute Koranverbrennung, dieses Mal zündete Rasmus Paludan eine Ausgabe vor einer Moschee im Nordosten Kopenhagens an. Wie der Spiegel bereits am 27. Januar unter Berufung auf die dänische Nachrichtenagentur Ritzau berichtete, waren rund 50 Polizeibeamte vor Ort.
Dieses Ereignis fand bei der Protest-Demo in Frankfurt keine Erwähnung, was daran liegen könnte, dass darüber in Deutschland nur in wenigen Medien am Rande berichtet wurde.
Hinweis: Von der Demo liegt umfangreiches Bild-, Video- und Audiomaterial vor