Es war ein außergewöhnlicher Krimi-Abend, den das Eschborn K am vergangenen Samstag präsentierte. Gespannte Stille herrschte im Saal, als Andreas Nickel aus seinem Berufsalltag als Mordermittler im Main-Taunus-Kreis berichtete.
Sein Smartphone klingelte ausgerechnet beim für ihn „heiligen“ Skatabend, weil die Überreste einer Leiche in einer Tonne in Schwalbach gefunden wurden. Das war eine Szene, wie sie die Zuschauer aus den Fernsehkrimis kennen. Mitten in das Privatleben platzt ein Leichenfund.
Andreas Nickel leitet das „K 10“ in Hofheim. Mit seinem Team ermittelt er bei Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag, aber auch vermisste Personen gehören zum Aufgabenbereich. Die Regionale Kriminalinspektion in Hofheim ist eine vergleichsweise kleine Dienststelle, deshalb ist die Abgrenzung bei der Verteilung der Fälle nicht so trennscharf wie in einem großen Polizeipräsidium.
Bei den zahlreichen Zuschauerfragen am Samstagabend wurden auch die Unterschiede zwischen Fiktion und Realität deutlich. Der Erste Kriminalhauptkommissar sagte, er könne nicht wie im Fernsehen einfach auf den Gang rausrufen, wenn er einen Kaffee will oder jemanden zum Abführen des Verdächtigen braucht. Andreas Nickel versteht es den Arbeitsalltag der Kriminalpolizei lebendig zu schildern, ohne dabei Ermittlungsgeheimnisse preiszugeben.
Was sind die gravierendsten Fehler bei Fernsehkrimis?
Die Eigensicherung der Ermittler ist ganz klar ein Thema. Es sei unrealistisch, dass sich die Kommissare aufteilen, wie meistens zu sehen, Du fährst zu Zeuge A und ich suche inzwischen den Verdächtigen B in seinem Haus auf. Und dann wird auch noch der volle Körper beim Klingeln vor der Haustür mit Glasfüllung präsentiert. So was sei Quatsch, erklärte EKHK Nickel.
Auch teilweise das Verhalten am Tatort und die vergnüglichen Besuche in der Gerichtsmedizin, wie sie in mancher TV-Produktion dargestellt werden, hätten mit der Realität wenig zu tun.
Eine Zuschauerin wollte wissen wie es um die persönlichen Belastungen eines Kommissars steht. So viele Leichen und furchtbare Bilder im Kopf und schwierige Einsatzsituationen können nicht spurlos an einem vorbeigehen. Diese Frage war eine passende Überleitung zu der ZDF-Preview „Kommissarin Heller – Vorsehung“, dem zweiten Teil des Abends.

In dem neuen Teil der ZDF-Krimiserie, die in Wiesbaden spielt, hat die Filmkommissarin Winnie Heller mit zusätzlichen Belastungen zu kämpfen. Gleich zu Beginn erschießt sie einen jungen Mann bei einem Überfall in einer Spielothek, als er eine Frau als Geisel nimmt und in der eskalierenden Situation töten will.
Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten, der Samstagskrimi läuft am 20.01.2018 im ZDF.
Lisa Wagner spielt ihre Rolle als Kriminalkommissarin mit schwieriger Persönlichkeit auch in dieser Folge wieder so überzeugend, dass man gerne weitere Filme mit der Schauspielerin sehen will, um herauszufinden was dahinter steckt. Im Tatort aus München, mit den Kommissaren Leitmayr und Batic, ist Lisa Wagner bereits mehrmals als Fallanalytikerin dabei gewesen, aber die Rollen waren sehr kurz.
K wie Krimi
Für das Eschborn K war dieser KinoTalk der Start in die neue Veranstaltungsreihe „K wie Krimi“. Ein besonderer Dank gilt dem Team vom ZDF, das diese Kooperation ermöglicht und unterstützt hat. Ohne Johannes Neumann von der Pressestelle im Polizeipräsidium Westhessen, der den Kontakt zur Mordkommission in Hofheim hergestellt hat und natürlich Andreas Nickel, der sofort bereit war als „echter Kommissar“ mitzumachen, hätte der Abend nie so spannend verlaufen können.