Fremder Bio-Landwirt beißt in Eschborn auf Granit

Einen Bio-Bauernhof mit Hofladen wollte ein Wiesbadener auf dem Areal der ehemaligen Baumschule im Fasanenweg errichten. Er hatte das Grundstück Ende August 2017 ersteigert. Doch er stieß mit seinen Plänen im Eschborner Rathaus auf Ablehnung und am 21. Januar 2018 fackelte jemand seine Lagerhalle ab.

Was steckt hinter diese verqueren Geschichte?

Die Kriminalpolizei ermittelt noch immer in dem Brandfall. Zwei Tatverdächtige gibt es inzwischen. Weitere Details sind an dieser Stelle momentan nicht erwünscht. Der Eschborner Stadtreporter respektiert das.

Komplexe Gemengelage

Die gesamte Geschichte reicht weit zurück. Der Vorbesitzer der Baumschule lag mit der Stadt Eschborn in einem langen Rechtsstreit. Es ging um geschuldete Zahlungen, abgestelltes Wasser und sehr hohe Verkaufspreise für das Grundstück.

Da das Areal aber weder zwingend für das Straßenbauprojekt „Süd-Ost-Verbindung“, noch für die Regionaltangente-West gebraucht wird, war das Grundstück, das als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen ist, wenig attraktiv.

Der Baumschulbetreiber reagierte nicht auf Anfragen und irgendwann war er mit seiner Familie weg. Dem Vernehmen nach soll er ausgewandert sein. Mehrere Landwirte, die ihm zusätzliche Flächen für die Anpflanzungen verpachtet hatten, erhielten ebenfalls keine Zahlungen mehr.

An zwei Terminen hatte das Amtsgericht Frankfurt am Main im Spätsommer 2017 die Zwangsversteigerung der Grundstücksteile angesetzt. Für die Geschichte relevant ist der 30. August. Zu diesem Termin erschienen unter anderem ein Kaufinteressent aus Wiesbaden, der namentlich nicht genannt werden möchte, ein Eschborner Unternehmer und der Eschborner Bürgermeister.

Eine Nachfrage bei der städtischen Pressestelle brachte keine offiziellen Erkenntnisse zu den Absichten des Magistrats bei dieser Versteigerung. „Grundsätzlich geben wir zu solchen Anfragen keine Auskünfte. Wir bitten um Verständnis.“, lautet die knappe Antwort. Wie aus anderen Ecken im Rathaus zu vernehmen ist, soll ein „Vorratskauf“ der Zweck für das Interesse aus dem Magistrat, vertreten durch den Bürgermeister, gewesen sein.

Aber der besagte Wiesbadener machte das Rennen und ersteigerte den begehrten Teil der ehemaligen Baumschule, einschließlich der Lagerhalle, allerdings nicht das Wohnhaus.

Widersprüchliche Darstellungen

Nach eigener Darstellung war es von Anfang an seine Absicht auf dem Areal einen Biohof zu errichten, mit 15 Ziegen, 15 Schafen und Hühnern. Die Bio-Milch und die Eier wollte er vor Ort verkaufen. Mit dem baulichen Ansinnen beauftragte er einen Frankfurter Architekten, der im Eschborner Rathaus vorstellig wurde.

„Dies ist uns nicht bekannt.“, lautet die Antwort aus der Pressestelle auf die Nachfrage zum Sachverhalt.

Aufgrund der Ablehnung seiner Pläne im Bauamt habe er einen Mieter für die Lagerhalle und das Grundstück gesucht, erklärte der Wiesbadener.

Zwischenzeitlich habe sich der Eschborner Unternehmer, der bei der Zwangsversteigerung wie die Stadt in die Röhren guckte, an ihn gewandt, um ihm das Grundstück abzukaufen. Er lehnte ab und schloss mit einen Landschafts- und Gartenbaubetrieb aus Bischofsheim einen Mietvertrag.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Pflanzen- und Baumdiebstähle von verschiedenen Personen auf dem Grundstück im letzten Jahr. Der Wiesbadener habe nach eigenen Angaben mehrfach eingreifen und die Polizei holen müssen.

Am 01.02.2018 wollte der auswärtige Landschaftsbauer mit seinen Gerätschaften als Mieter einziehen, doch kurz zuvor, an einem Sonntagabend, dem 21.01., ging die Abstell- und Lagerhalle in Flammen auf.

Wegen dem Abriss der verkohlten Reste und dem Wiederaufbau sei er persönlich im Rathaus vorstellig geworden, schildert der Wiesbadener. Ein Bauamtsmitarbeiter habe eine erneute Absage zum Thema Bauernhof erteilt, das Anliefern und Abtransportieren von Tieren sei in den Unterwiesen unerwünscht. Für diese Darstellung gibt es keine Bestätigung aus dem Rathaus.

Die verkohlten Reste der Lagerhalle sind inzwischen abgerissen.

Das Ende vom Lied

Die abgebrannte Halle wird wieder exakt so aufgebaut wie vorher, der Bischofsheimer Betrieb bleibt Mieter und wird Nutzer.

Der erste Eschborner Bio-Bauernhof mit türkischer Prägung ist vorerst vom Tisch. Ob der Wiesbadener sich an die zuständige Bauaufsicht im Landratsamt in Hofheim wenden wird bleibt offen.

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