Blut, Wein und Bonbons

„Hört meinen uralten Ruf in dieser Samhainnacht, oh Geister unserer Ahnen…“, so und ähnlich finden sich Anleitungen im Internet, für alle die in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November das alte irisch-keltische Fest „Samhain“ feiern wollen.  Inzwischen ist der Tag populär geworden unter dem englischen Namen „Halloween“.

Als Zutaten für dieses ernste Ritual werden allerdings keine Süßigkeiten und Kürbisse genannt, sondern ein schwarz verhüllter Tisch mit Kerzen darauf und ein Kelch und ein Messer. „In dem Kelch ist Wein zusammen mit Blut gemischt.“, heißt es in der Anleitung weiter. Spätestens hier scheiden sich die Geister zwischen dem kommerziellen Halloween-Spuk, der seit einigen Jahren aus den USA herüber geschwappt ist und dem Neuheidentum. Gruppen, die alte keltische Kulte praktizieren, finden nach Auskunft einschlägiger Websites regen Zulauf. Verlässliche Mitgliederzahlen gibt es nicht, was im Verborgenen läuft lässt sich nur schwer nachprüfen.

Der dunkle Pol im keltischen Jahreslauf

Wenn heute Nacht die Übergänge zwischen Diesseits und Jenseits nach keltischem Glauben besonders durchlässig sind, gibt es an verschiedenen Orten in Deutschland Treffen mit kultischen Handlungen. Neuheidnische Gruppen interpretieren das alte Fest zur Begegnung mit den Toten und Ahnen teilweise sehr eigenständig. Die Rituale dazu finden aber meist privat statt und abseits der Öffentlichkeit.

Richtig düster soll der „Feiertag“ in der satanischen Ritual- und Magiepraxis begangen werden, zumindest geht das aus Berichten von Aussteigern aus der Szene hervor. Seelsorgern gegenüber berichteten ehemalige Mitglieder solcher Zirkel vereinzelt von Schwarzen Messen, die unter anderem auf Friedhöfen stattfänden. Über angebliche Opferhandlungen von Tieren und sogar Menschen gibt es widersprüchliche, schwer nachprüfbare Aussagen.

„Satanismus – Faszination des Bösen“

Ingolf Christiansen, ehemaliger Weltanschauungsbeauftragter der Ev.-lutherischen Landeskirche Hannover und Sachverständiger in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages für „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“, hat dazu bereits im Jahr 2000 dieses Buch geschrieben. Außer Hintergrundwissen zu Praktiken und Ritualen, hat Christiansen einen satanischen Fest- und Feiertagskalender zusammengestellt, der für den 31. Oktober mit dem Zitat beginnt: „Blut- und Sexualrituale, sexuelle Vereinigung von Satan, Dämonen und Mitgliedern, tierische und menschliche Opfer“. Wichtig ist der Hinweis, dass es ich hierbei um eine Eigendarstellung aus satanischen Gruppen und Zirkeln handelt.

Die Lage in Frankfurt

Die gute Nachricht: Auf den Frankfurter Friedhöfen gäbe es seit vielen Jahren keinerlei gemeldete Zwischenfälle oder Ereignisse im Zusammenhang mit nächtlichen Ritualen oder kultischen Handlungen. Dies sagte das städtische Grünflächenamt heute auf Nachfrage.

Ende der 80er Jahre gab es zeitweise Probleme mit nächtlichen Kulthandlungen auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, dies weiß der Autor aufgrund einer damaligen Tätigkeit bei einem Sicherheitsunternehmen, das den Hauptfriedhof im städtischen Auftrag nachts bestreifte. Auch heute noch seien Sicherheitsunternehmen im Einsatz, um eine missbräuchliche Benutzung der Friedhöfe zu unterbinden, bestätigte ein Sprecher des Grünflächenamts.

Update vom 01.11.2016 – 11:40 Uhr:

Aus den vorhandenen Tabellen der Kriminalstatistik lassen sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Frankfurt keine belastbaren Zahlen nennen, die im Zusammenhang mit religiösen oder kultischen Handlungen auf Friedhöfen stehen. Aus seiner eigenen Erfahrung sagte ein Pressesprecher der Behörde, „dass kultische Aktivitäten oder Straftaten im Vergleich zum Gesamtaufkommen von Straftaten auf Friedhöfen einen sehr kleinen Stellenwert einnehmen. Diebstähle, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbrüche sind hier die einschlägigeren Delikte und haben keine erkennbare Verknüpfung zu kultischen Aktivitäten.“

Okkulter Hintergrund nicht ausgeschlossen

Die letzte größere öffentlich bekannt gewordene Grabschändung mit rituellem Bezug in Deutschland, ist der Diebstahl des Totenschädels von „Nosferatu“-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Unbekannte hatten im Juli vergangenen Jahres die Grabkammer der Familie auf dem Friedhof in Berlin-Stahnsdorf aufgebrochen und den Kopf der Leiche mitgenommen. Murnau (1888–1931) war ein der wichtigsten Stummfilmregisseure und drehte 1922 den Horrorklassiker „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“. Der Film erzählt die Geschichte des Vampirs Graf Orlok. Weil in der Grabkammer auch Wachsreste gefunden wurden, schließt die Polizei nach Medienberichten einen „okkulten Hintergrund“ der Tat nicht aus.

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