Am 21. Januar 1991 gründeten die katholischen und evangelischen Kirchen im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis gemeinsam die Initiative unter dem Thema „Herbergssuche“. Seitdem haben 1280 Personen durch die Vermittlung des Vereins eine Wohnung gefunden. Die ÖWH ist mit ihren zwei Büros in Hofheim und Bad Homburg die einzige Wohnungsberatungsstelle in den beiden Landkreisen.
Das Hilfsangebot wird von einer steigenden Zahl von Menschen in Anspruch genommen. Aber es gibt derzeit nicht genügend bezahlbaren Wohnraum zum Vermitteln. Günter Adam spricht von einer „Riesen-Nachfrage“, die nur zu kleinen Teilen gedeckt werden könne. Inzwischen seien sogar knapp die Hälfte aller Anfragen so genannte „Notfallberatungen“ ergänzt Marcus Krüger, der Geschäftsführer der ÖWH. Er führt das auf die Verschärfung der sozialen Lage bei immer mehr Menschen zurück. Die Armut in Deutschland nimmt zu. Alleine im Main-Taunus-Kreis weißt die amtliche Sozial-Statistik einen Zuwachs bei den Hartz-4 Empfängern von 19,3 % seit 2005 aus.
Die Mitarbeiter der Wohnhilfe beklagen, dass die Zahl der sozial geförderten Wohnungen rückläufig sei. Dies betreffe aber nicht nur die verantwortlichen Kommunen, sondern auch die Kirchen investieren aus der Sicht der ÖWH nicht ausreichend in bezahlbaren Wohnraum. „Das fordern wir von unseren Kirchen, dass sie in auch in sozialen Wohnungsbau investieren.“, appelliert Adam.
Aus Problemen mit dem Vermieter, z.B. aufgrund von aufgelaufenen Mietschulden, erwächst nicht selten das Thema Obdachlosigkeit, weiß Günter Adam zu berichten. Deshalb sein dringender Appell rechtzeitig die Beratung der Wohnhilfe aufzusuchen, damit das Gespräch nicht automatisch zur Notfallberatung wird.
Eine weitere beachtenswerte Entwicklung ist der der hohe Single-Anteil bei den Ratsuchenden. 56 % sind es in diesem Jahr gewesen. Daraus resultiert ein entsprechend hoher Bedarf an kleinen Wohnungen. Seit dem 01.01. dieses Jahres darf so eine Single-Wohnung für einen Hartz-IV Empfänger nur noch maximal 45 qm groß sein. Ansonsten gibt es nach sechs Monaten Abzüge bei den Mietkosten, die der Kreis übernimmt. Wer dann aus dem geringen Regelsatz für seinen Lebensunterhalt für die eigene Miete zuschießen muss gerät erfahrungsgemäß schnell an anderer Stelle in finanzielle Schwierigkeiten.
Der Verein Wohnhilfe ist als gemeinnützig anerkannt und freut sich deshalb auch über Zuwendungen, um weiter helfen zu können. Ein Thema ist hier die sogenannte Erbschaftsspende. In Flörsheim konnte jetzt beispielsweise eine alte Immobilie in 18 Appartements umgebaut werden, die an Wohnungssuchende mit kleiner Geldbörse vermietet werden.
Ohne seine ehrenamtlichen Mitarbeiter könnte die Ökumenische Wohnhilfe ihre Arbeit gar nicht mehr im vollen Umfang erfüllen. Früher habe es noch einen Sozialarbeiter als dritte hauptamtliche Kraft, die sei aber dem Rotstift zum Opfer gefallen. Seit den Kürzungen von den finanziellen Zuwendungen aus den Kirchen sei die Stelle nicht mehr finanzierbar gewesen, erläutert Geschäftsführer Krüger.
Trotz aller Schwierigkeiten freut sich die ÖWV auf ihr Jubiläum am 22.01.2011, dass mit einer Veranstaltung im Evangelischen Gemeindehaus Eschborn feiern wird: „Bettler´s Oper, Songs und Szenen aus dem armen reichen Land“ (mehr Infos dazu: www.dekaart.de)
(veröffentlicht in der Evangelischen Sonntags-Zeitung vom 26.12.2010)