Himmlisches Geläut für Emmaus

An der westlichen Grenze des Main-Taunus-Kreises und des Dekanats Kronberg ist die Welt noch in Ordnung, könnte man meinen. Die bergige Landschaft und die dörflichen Strukturen um Eppstein herum lassen einen schnell vergessen, dass man sich eigentlich mitten in der Rhein-Main-Region, genau zwischen Frankfurt und Wiesbaden befindet. Niemand würde hier vermuten bei Gottesdiensten auf das liturgische Glockengeläut verzichten zu müssen. Aber wo es keine Glocken gibt, da können auch keine läuten.

Vor sieben Jahren ist aus dem ehemaligen Pfarrbezirk im Eppsteiner Stadtteil Bremthal die Evangelische Emmaus Gemeinde entstanden. Zu ihr gehören auch die Stadtteile Ehlhalten und Niederjosbach. Für die derzeit 1.900 Gemeindeglieder entstand bereits vor 12 Jahren durch Spenden ein neues Gemeindehaus, das neben den Mehrzweckräumen für die Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen auch das Pfarrbüro und das integrierte Pfarrhaus beherbergt.

Allerdings sucht man den Glockenturm vergebens, das soll sich nun ändern. „Das Haus ist licht und zart gestaltet“, schwärmt Pfarrer Moritz Mittag. Was noch fehle sei „himmlisches Geläut“. So entstand das Projekt „Glocken für Emmaus“. Bereits seit 1998 wird unter anderem in den Konfirmationsgottesdiensten Geld hierfür gesammelt. Zwischen 70 und 80.000 Euro müssen zusammen kommen. Die drei geplanten Glocken selbst sind dabei mit 42.000 Euro veranschlagt. Dazu kommen die Kosten für den Sockel und den Glockenträger, sowie für Gutachten und einen fünfjährigen Wartungsvertrag. Die Glocken hängen jeweils an ein Holzjoch, das sich witterungsbedingt verziehen kann, deshalb ist eine regelmäßige kostenpflichtige Nachjustierung erforderlich.

„Wir wollen Menschen ansprechen für ihre Glocken etwas zu tun“, erklärt Mittag. Es hätte auch den Weg über eine Finanzierung durch die kirchliche Bausparkasse gegeben, „aber so sind wir frei“. Der Pfarrer beschreibt seine Kerngemeinde als lebendig, was sich auch in der Spendenbereitschaft niederschlage. Die derzeit ca. 300 aktiven Gemeindeglieder bringen nicht nur Leben ins Gemeindezentrum, sondern sorgen auch selbst jährlich für den Ausgleich ihres unterfinanzierten Kirchenhaushalts.

Die Gemeinde hat bereits seit 21 Jahren einen Förderverein und auch eine eigene Stiftung. Mit diesen unterstützenden Finanzspritzen werden zahlreiche Projekte ermöglicht, unter anderem auch die „Glocken für Emmaus“. Ende August haben die Mitglieder des Fördervereins einen Ausflug zur Glockengießerei „Rincker“ in Sinn unternommen, um sich schon einmal einen Vorgeschmack auf die drei Glocken zu holen, die planungsgemäß 2010 in Bremthal erschallen sollen. Übrigens betont Pfarrer Mittag, dass sich die Nachbarn vom Gemeindezentrum bereits ausdrücklich aufs Glockengeläut freuen.

(veröffentlicht in der Evangelischen Sonntags-Zeitung)