
Bevor der Grundsatzbeschluss zur Bebauung der „Sulzbacher Straße 11“ fällt gilt es noch drängende Fragen zu klären.
Bislang ließen sich weder im Eschborner noch im digitalisierten Frankfurter Stadtarchiv Unterlagen darüber finden, was alles in der ehemaligen Mülldeponie zwischen der Berliner und der Sulzbacher Straße vergraben wurde. Es existiert lediglich die Bekanntmachung des Bürgermeisters vom 7.11.1950 über die Verpachtung an die Stadt Frankfurt (siehe Bild).
Erst prüfen, dann bauen
Aufgrund der Berichte von älteren Bürgern und Augenzeugen über die Müllentsorgungen in der ehemaligen Lehmgrube lohnt sich die weitere Recherche.
Eschborns Stadtarchivar Gerhard Raiss hat Fotos der ehemaligen Lehmgrube der Firma Hochtief, die im Bereich des heutigen Helfmann-Parks eine Ziegelbrennerei betrieb. Die verschiedenen Gruben in Eschborn seien bis zu 12 Meter tief gewesen, erklärt Raiss. Von der Ziegelei „Schäffer/Rübsamen“ in der Berliner Straße hat er leider kein Bild- oder Kartenmaterial, das die Grube und damit die gesamte Ausdehnung der daraus entstandenen Mülldeponie zeigt.
Vorerst bleiben nur die Kolportagen
Was hatten die Lastwagen eines Bockenheimer Bauunternehmers und der ehemaligen Farbwerke Höchst in der Kule abgeladen? Was war in den Fässern, von denen Zeitzeugen sprechen? Die heutige Heinrich-Graf-Sportanlage, benannt nach dem damaligen Eschborner Bürgermeister, der wichtige Informationen mit ins Grab genommen hat, liegt auf der ehemaligen Deponie. In wie weit das Areal der alten Gärtnerei Wollrab betroffen ist, darüber gehen die Schilderungen auseinander. Aber genau dort will die Stadt Eschborn bis zum Jahresende eine Flüchtlingsunterkunft für bis zu 140 Personen errichten und zukünftig Wohnungen bauen.
Es gibt chemische Stoffe die versickern, andere diffundieren durch das Erdreich nach oben. Ohne genaue Kenntnisse, was alles im Boden schlummert, bleibt jede Diskussion ein gefährliches Ratespiel. Bodenproben von verschieden Stellen des Areals sind der einzige Weg Gewissheit darüber zu bekommen, ob eine Gesundheitsgefährdung unterirdisch schlummert oder nicht.
Die Geschichte, dass man auf dem Sportplatz nicht tiefer als 80 cm graben dürfe, kennt Stadtarchivar Raiss auch. Allerdings weiß scheinbar niemand die genaue Quelle für diesen Warnhinweis, auch nicht das ehemalige Vorstandmitglied des Fußballvereins, das ungenannt bleiben will. Überhaupt gibt es viele Recherchehinweise, aber meistens mit dem Nachsatz: „Aber halten sie meinen Namen daraus.“