„Wir sind ein sehr, sehr sicherer Kreis“, sagte Landrat Michael Cyriax auf der heutigen Pressekonferenz zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Bei dem jährlichen Ritual im Landratsamt in Hofheim sind auch kleine Veränderungen als Erfolge wichtig. Um 2,5 % ist die Gesamtkriminalität 2016 im MTK gesunken, im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 58,2 %, rein statistisch der drittbeste Wert seit Beginn der Auswertung.

Aber Statistiken und Zahlenspiele können nicht über die Sicherheitslage im Land hinwegtäuschen. Und so kommt Landrat Cyriax bei allem Lob zu dem Fazit, dass spätestens seit dem Fall Amri eine neue Sicherheitsarchitektur erforderlich sei. Für die Kommunen sieht er Möglichkeiten in der Ausweitung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum und auf Behördenebene müsse der Datenaustausch verbessert werden.
Polizeidirektor Peter Liebeck, der die Polizeidirektion Main-Taunus mit ihren insgesamt 270 Schutzpolizisten und Kriminalbeamten leitet, hat ein Ziel: „Ich will mehr Aufklärungsquote“, zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wolle er die 60%-Marke knacken.
Eine nützliche „Glaskugel“, nicht nur bei Einbrüchen
Die Wohnungseinbrüche sind das „Top 5-Delikt“ im Kreis und eines von Liebecks Sorgenkindern. 23,7 % der 608 Fälle konnten im vergangenen Jahr aufgeklärt werden. Da sind 8 Einbrüche weniger und 4,7 % mehr Quote. Behilflich dabei war unter anderem die Prognosesoftware „KLB-operativ“, die neben Fall- und allerlei örtlichen Sozialdaten wissenschaftliche Berechnungen anwendet, um den nächsten Tatort vorhersagen zu können.
Umso mehr Daten, umso besser
Eine Ermittlungsgruppe der Polizeidirektion in der dunklen Jahreszeit gezielt an den Tatorten spezielle DNA-Spuren aufgenommen, um die Datenbasis für die Aufklärungsarbeit zu erweitern.
Vermutlich männlicher Einzeltäter
Für das laufende Jahr gibt es bereits eine merkwürdige Einbruchsserie in der Region, wie Kripo-Leiter Michael Meyer erläutert. Alleine im Main-Taunus-Kreis habe ein „stümperhafter Täter“ bis heute 90 Mal vergeblich versucht über die Eingangstür in Wohnhäuser einzubrechen. 43 dieser unvollendeten Delikte passierten in Eschborn. Die Serie aus Idstein mit über 60 Versuchen am letzten Wochenende ging durch die Medien. Aber es gäbe gute Ermittlungsansätze, unter anderem eine schlechte Videoaufnahme, so der Leiter der Regionalen Kriminalinspektion.
Ist mehr Überwachung im direkten Lebensumfeld bei den Bürgern mehrheitsfähig?
DNA-Spuren und Bilder von Überwachungskameras, das sind die „Ermittlungshelfer“, von denen die Polizei gerne deutlich mehr hätte, das war aus auf der Pressekonferenz raus zuhören. Landrat Cyriax will nach eigenen Worten das Thema Videoüberwachung in den Kommunen auf den Tisch bringen. Es bleibt spannend, wie die Stadtverordneten in Eschborn darauf reagieren werden. Michael Cyriax stellt sich am 23. April als Landrat zur Wiederwahl. Was sagen seine beiden Herausforderer zum Thema Sicherheit?