Burg Eppstein Folk Festival lockte nur wenige Besucher

Ein Blick ins Wetterradar und aus dem Fenster am Donnerstagmorgen vor zwei Wochen ließ keine Wahl, das Burg Eppstein Folk Festival wurde in diesem Jahr eine Indoor-Veranstaltung. Manfred Oschkinat vom Veranstalter „DekaArt“ erklärte: „Wir hätten sonst um 12 Uhr am Donnerstagmittag mit dem Aufbau beginnen müssen“. Das Risiko war aber zu groß, dass die Veranstaltungen im Freien ins Wasser fallen könnten, so wie vor zwei Jahren.

Mit „Acoustic Revolution“ und „Eileen Q“ standen am Freitagabend zwei Bands auf der Bühne im Bürgerhaus, die beide fetzige Folk-Musik präsentierten. Ungünstiger weise gab es an dem Wochenende viele parallele Veranstaltungen in der Region, so dass weniger als hundert Besucher den Weg nach Eppstein wählten. Manfred Oschkinat machte deshalb bei der Begrüßung auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: „Die Leere ist nicht gut“. Aber die Musiker selbst nahmen es gelassen und sagten, sie würden so spielen, als seien 500 Zuschauer im Saal. „Acoustic Revolution“ hielt Wort und sorgte dafür, dass die Füße im Saal nicht still standen. Die drei Berufsmusiker aus Bayern spielen seit 2000 zusammen und sind im Jahresdurchschnitt zu 80 – 100 Auftritten unterwegs. Bei den Festivals schwanke die Zuschauerzahl zwischen 5 und 10.000, erklärte Bandmitglied Tom. Eppstein lag also problemlos in der bisherigen Bandbreite.

Die zweite Gruppe des Abends, „Eileen Q“, musste die Erfahrung machen, dass Regen nicht nur Open-Air-Festivals beeinträchtigen kann. Tropfwasser von der Bühnendecke störte die Monitorboxen und machte eine technische Pause erforderlich. Aber die Musik entschädigte für alle Unannehmlichkeiten. Durch die Fiddle wirkte der gesamten Sound einen Tick irischer, als bei „Acoustic Revolution“. Die Gruppe „Eileen Q“ hat seit dem Neuzugang von Eva Giovannini an der Geige ein optisches Zugpferd auf der Bühne. Auf den neuen offiziellen Bandfotos und Plakaten steht Eva im Vordergrund der fünf Musiker, obwohl sie nicht singt oder als Bandleader auftritt. Der bisherige Geiger ging vor zwei Jahren als Entwicklungshelfer nach Botswana. Bei einigen Liedern ergänzte Nils Nolte von der Band „An Tor“ die Musiker mit seiner Flöte.  Der Zusammenhang der beiden Bands ist schnell erklärt: Nils ist der Ehemann von Eva.

Der Sonntagabend lockte ein durchschnittlich älteres Publikum als der Freitag zum Festival nach Eppstein. Musikerlegende Barry McGuire spielte zusammen mit John York zum Abschluss seiner Europatour. Der inzwischen 75-jährige McGuire wurde vor allem durch seinen Song „Eve of Destruction“ (1965) weltweit bekannt. John York spielte früher bei den Byrds. Man könnte den Sonntagabend als Mischung aus Konzert und Talkshow bezeichnen, denn Barry McGuire erzählte zwischen den einzelnen Stücken ausgiebig Anekdoten und Geschichten aus den 60er und 70er Jahren, rund um die damalige Musikerszene in den USA. Neben all dem Amüsanten aus der damaligen Hippie-Zeit ließ die Musikerlegende die Schattenseiten der  Szene nicht unerwähnt: „Die 60er waren keine gesunde Zeit für junge Leute.“  Barry McGuire hat 16 seiner Musikerfreunde durch Drogenkonsum und Selbstmord verloren.

Für das 5. Burg Eppstein Folk Festival waren insgesamt 10 ehrenamtliche Mitarbeiter aus dem Dekanat Kronberg im Einsatz, auf der Burg wären bis zu 20 gewesen, erklärte Manfred Oschkinat. „Wir als Veranstalter fühlen uns in Eppstein immer sehr wohl.“

(veröffentlicht in der Eppsteiner Zeitung)