Es ist ein Albtraum für Angehörige, sie kommen zum Grab eines verstorbenen Familienmitglieds und der Grabstein ist weg. So erging es einer Familie aus Eschborn, die am Dienstag feststellen musste, dass unbekannte Täter irgendwann zwischen dem 10. und 18. Mai am Werk waren und den besonders behauenen Stein vom Sockel gebrochen und abtransportiert haben.
Update vom 21.05.2021, 20:00 Uhr: Inzwischen gibt es weitere Infos aus dem Nähkästchen der Geschädigten, demnach hätten „die Herren“, so wie die mutmaßlichen Täter jetzt bezeichnet werden, versucht die Witwe zu erreichen. Da dies nicht gelang und das Grab vor der Abräumung steht, wollten „die Herren“ den Grabstein vor der Vernichtung bewahren und haben ihn entwendet, so die Darstellung.
Offen bleibt die Frage, ob man ohne Transporter und kleinen Kran oder Bagger einen schweren Marmorstein vom Grab wegbekommt und nach Hause schaffen kann? Wahrscheinlich nicht. Es schließt sich die nächste Frage an: Wer kann unverdächtig solche Arbeiten an einem Grab durchführen, ohne das Zeugen sofort die Polizei anrufen?
Update vom 21.05.2021, 11:40 Uhr: Der „Eschborner Grabstein-Krimi“ läuft ab jetzt behördenintern und familiär weiter. Pressesprecher Johannes Neumann bestätigte, dass die Polizei gestern Abend von den Geschädigten über den mutmaßlichen Täter informiert wurde, der bei der Familie anrief. Über die näheren Details der Schilderung darf die Pressestelle keine weiteren Auskünfte erteilen. Nur so viel, die Ermittlungen laufen zunächst weiter.
Von Seiten der Stadt Eschborn kam heute Vormittag die Betätigung, dass niemand bereits vorzeitig am Grab tätig gewesen sei, um mit dem angekündigten Abräumen zu beginnen. Die zweite Nachfrage bezog sich auf das große Friedhofstor an der Oberurseler Straße. Dieses wird abends zur Hälfte verschlossen, so dass nur noch Personen rein- und rauskommen.
Die Angehörigen wollen im Familienkreis beraten, wie sie weiter verfahren, nachdem sich nun derjenige telefonisch meldete, der den Grabstein nach eigenen Angaben entwendet hat. Es muss mindestens einen weiteren Komplizen geben. Die Frage nach der Tatzeit gibt näheren Aufschluss, wer besonders tatverdächtig ist, sie bleibt leider von Seiten der Polizei und der Geschädigten unbeantwortet.
Update vom 20.05.2021, 22 Uhr: Der Angehörige, der die Nachricht vom verschwundenen Grabstein mit Fotos gestern auf Facebook verbreitete, schreibt nun: „Der Stein wurde gefunden! Der Täter rief mich heute Mittag reumütig an und entschuldigte sich für sein Verhalten!“ Es sollen zwei Täter gewesen sein. Die genannten Gründe für den Diebstahl „sind skurril, dubios und ehrlich gesagt für uns nicht nachvollziehbar“, so die weitere Darstellung.
Ursprünglicher Bericht:
Es ist ein Albtraum für Angehörige, sie kommen zum Grab eines verstorbenen Familienmitglieds und der Grabstein ist weg. So erging es einer Familie aus Eschborn, die am Dienstag feststellen musste, dass unbekannte Täter irgendwann zwischen dem 10. und 18. Mai am Werk waren und den besonders behauenen Stein vom Sockel gebrochen und abtransportiert haben.
Die Empörung der Facebook-Gemeinde über die Pietätlosigkeit ist groß, ein Angehöriger postete dort die Nachricht in mehreren Eschborner Gruppen zusammen mit den Fotos des Grabsteins und sucht nun Zeugen der Tat. In den unbehandelten Marmor ist das Bild eines Indianers und eines Büffels gemeißelt. Der Neupreis soll laut dem Angehörigen bei 8.000 Euro gelegen haben. Das war vor 25 Jahren, nun wird die Stadt das Grab bald abräumen. Aber der spontane Verdacht, dass damit bereits offiziell begonnen wurde sei falsch, ist auf Facebook zu lesen.

Ein Grabstein dieser Größe wiegt geschätzt mehrere Hundert Kilo. Für den Abtransport vom Grab zum nächsten Friedhofstor ist ein robuster Handwagen nötig und dann kommt das Umladen in einen geeignetes Fahrzeug. Rund um den Eschborner Friedhof sind auch abends viele Gassigänger und Jogger unterwegs.
Die Angehörigen haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Ermittlungsgruppe der Polizeistation in Eschborn übernimmt den Fall. Für Eschborn ist es eine einzigartige GEschichte in den letzten Jahren, niemand kann sich an etwas Vergleichbares erinnern. Es gibt zwar immer wieder vereinzelte Fälle von Diebstählen auf den beiden Friedhöfen, aber dann geht es um Grabschmuck oder Messingbuchstaben von Grabsteinen.
Im Internet finden sich vereinzelte Polizeimeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet von Grabsteindiebstählen, aber ein organisiertes Vorgehen von Serientätern ist nicht erkennbar. Hinzu kommt, dass gebrauchte Grabsteine im Internet teilweise bereits für zweistellige Beträge angeboten werden, der Haken: bei Selbstabholung. Dieser Haken macht auch der Polizei Hoffnung, dass es Zeugen für die illegale und aufwendige „Abholaktion“ gibt, Tel. 06196 / 9695 – 0.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Liebhaber des Motivs damit seinen Garten verschönern will. Es finden sich im Netz weitere Verwendungen, diese sind aber ritueller Natur. Auf speziellen Seiten werden sogenannte „Hexenspiegel“ angeboten, die anstelle von Glas ein Stück einer polierten Marmorgrabsteinplatte enthalten.