Heutzutage müsste man eigentlich als Reporter immer am Einsatzort dabei sein, damit die anschließende Berichterstattung nicht von anderen abhängig ist. Das bleibt leider ein frommer Wunsch und so sind glaubwürdige Quellen wichtig.
Ich hatte bei meinem Telefonat am Samstagmorgen mit dem Kommissar vom Dienst (KvD) in Hofheim einen verlässlichen Eindruck. Der Polizeibeamte ist mir von mehreren Anfragen am Wochenende telefonisch bekannt. Ich konnte gut hören, wie er im Hintergrund die Informationen zu meinen Fragen zusammensuchte. Es blieben noch Punkte offen, was so kurz nach einem Einsatz normal ist, deshalb kontaktierte ich heute die Pressestelle im Polizeipräsidium Westhessen.
Das Telefonat mit Polizeisprecher Johannes Neumann machte mich inhaltlich sehr stutzig. Zwischen den Informationen vom KvD und den heutigen, nach Rücksprache mit den Polizeivorgesetzten, liegen Unterschiede. Im Laufe des Gesprächs und bei meinen Nachfragen zu einzelnen Punkten traten Widersprüche auf.
Aus den am Samstag genau beschriebenen Gruppengrößen von 40 und 10 blieben heute insgesamt 30 Personen übrig und davon sollen sich letztendlich nur drei Jugendliche am Wickel gehabt haben. Von Schlagstöcken und Elektroschockern ist heute nicht mehr die Rede. Auf meine Nachfrage hin hieß es, diese seien nur bei Kontrollen entdeckt worden, aber hätten bei der Auseinandersetzung keine Rolle gespielt.
Chronologischer Ablauf der Ereignisse:
In den sozialen Netzwerken „Instagram“ und „Snapchat“ soll sich seit Wochen ein Streit über oder wegen Veröffentlichungen einer Frau angebahnt haben, diese Detailinfo stammt von heute. Der KvD nannte zwar auch das Internet als Startpunkt, aber er sprach von einem „Revierstreit„.
Wie dem auch immer sei, man verabredete sich zum Austragen der Fehde nicht auf dem altbewährten Streitplacken im Feld, sondern am Eschborner Bahnhof. Jede Seite mobilisierte Unterstützung. Über die Gruppenstärken gehen wie eingangs erwähnt die Informationen auseinander.
Die Angabe ein Geschädigter und ein Beschuldigter passen zu einem Kampf Mann gegen Mann, umschirmt von den anderen Anwesenden. Der dritte Mann im Ring soll letztendlich der Fluchtauslöser für die unterlegene Seite gewesen sein. Die Formulierung in der heutigen Meldung „in dezente Tätlichkeiten übergegangen“, klingt verniedlichend, auch im Zusammenhang mit der Flucht der „Verlierergruppe“ durch die Berliner Straße.
Bei dem unterlegen Jugendlichen soll es ich um einen 16-jährigen Frankfurter handeln. Am Samstag war von indischen Wurzeln die Rede. Das ist im Konflikt mit Deutsch-Türken insofern relevant, dass kulturelle Unterschiede sowohl bei einem Streit um eine Frau, als auch um „das Revier“, eine Rolle spielen können.
In der Berliner Straße suchten die Flüchtenden Schutz im Central Hotel“, am Samstag hieße es „verschanzt“. Nach Darstellung von heute war beim Eintreffen der Polizei gar niemand mehr da, den Geschädigten hätten die Einsatzkräfte auf der Straße angetroffen. Wer den Notruf auslöste konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Am Samstag ging aus den Einsatzberichten hervor, dass sich die große Gruppe teilte und in verschiedene Richtungen flüchtete. Das würde die von der Polizei gestellten und kontrollierten Jugendlichen an der Einmündung Jahnstraße/Hauptstraße erklären. Diese Kontrolle habe ich selbst beobachten können.
Polizeisprecher Johannes Neumann sagte, diese jungen Leute hätten nichts mit den Vorfällen am Bahnhof zu tun gehabt.
Wer die 18 polizeilich erfassten Jugendlichen sind bleibt ebenfalls offen.
Wichtig war der Polizei heute darauf ungefragt hinzuweisen, dass der Einsatz am Freitagabend in Eschborn nichts mit der Lage in Schwalbach zu tun habe.
In der Jugendpflege der Stadt Eschborn waren weder die Ereignisse bekannt, noch eine Gruppe von Deutsch-Türken oder um einen jungen Inder, die im Revierstreit miteinander liegen. Der Erste Stadtrat Thomas Ebert ist als Jugend- und Sozialdezernent immer auskunftsbereit.
Fazit: Der KvD konnte am Samstag nur auf die Informationen im Polizeicomputer zugreifen, die die aus dem ganzen Kreisgebiet zusammen gezogenen Einsatzkräfte eingegeben haben. Heute hatte die Pressestelle viele Stunden Zeit die Antworten mit der Führung abzustimmen und aufzubereiten.
Würde sich Eschborn zu einem weiteren Brennpunkt für Rivalitäten und handfeste Probleme mit und unter Jugendlichen entwickeln, wäre das ein Supergau für die Polizei im Main-Taunus-Kreis.