In weniger als zwei Monaten beginnen die Weihnachtsmärkte. Die zahlreichen aktuellen Vorfälle mit Drohnen werden zwar derzeit hauptsächlich im Zusammenhang mit der Kritischen Infrastruktur und militärischen Standorten diskutiert, aber es gab bereits Aufrufe für andere Anschlagsziele.
Im Juni fand in Münster die Übung „Summer Jamm 2025“ und die „-mTIEmini Technical Interoperability Exercise“ statt. Knapp 100 Teilnehmer von Polizei, Bundeskriminalamt, Bundeswehr, NATO und der Industrie wollten ihre Fähigkeiten zur Drohnenabwehr verbessern. In der Pressemitteilung hieß es: „Kleinstdrohnen verschiedenster Typen von einfachen Starrfüglern bis zu größeren Multikoptern mit aufwendiger Technik flogen, um realitätsnah Spionage, Sabotage und Angriffe auf kritische Infrastruktur zu simulieren.“ Geübt wurden die Gegenmaßnahmen: „Diese reichten vom Jamming, also dem gezielten Stören von Funk- oder elektronischen Signalen, bis zur Neutralisierung durch einen gezielten Abschuss.“
Ebenfalls im Juni ermutigte die pro-islamistische „Bariqah News Agency“ über Telegram „Lone Wolves“ zu Anschlägen mit Drohnen. Die verschiedenen islamistischen Medienkanäle rufen regelmäßig die Anhänger online zu Terrorakten in Europa auf und liefern auch Anleitungen dazu gleich mit.
Die zahlreichen Überflüge und Provokationsflüge mit Drohnen der letzten Monate in Dänemark, Polen, Rumänien, Litauen, Lettland, Norwegen, Frankreich und vergangene Woche in Norddeutschland haben gezeigt, dass die Abwehr der unbemannten Fluggeräte nicht funktioniert. Bei den Ereignissen in Dänemark wird über die Herkunft weiterhin spekuliert, die Polizei spricht von „fähigen Akteuren“.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) spricht von einer gestiegenen Gefahr für Deutschland und will ein Drohnenabwehrzentrum aufbauen.

Zurück zum konkreten Veranstaltungsschutz
Alle vollmundigen Ankündigungen ändern nichts am Kalender, der große Frankfurter Weihnachtsmarkt beginnt in weniger als acht Wochen.
Seit dem Terroranschlag in Magdeburger im vergangenen Dezember durch einen Einzeltäter mit einem Fahrzeug, sind die bereits vorhandenen Zufahrtsschutzsysteme für Veranstaltungen weiter verbessert worden. Es obliegt den jeweiligen Veranstaltern diese einzusetzen. Eigentlich sollte das in Abstimmung mit der Polizei und der Ordnungsbehörde geschehen. Verschiedene Beispiele von Festen in den Frankfurter Stadtteilen und den Vororten haben in diesem Sommer gezeigt, dass das inzwischen nicht mehr so genau genommen wird. Teilweise fehlte jeglicher Grundschutz.
Große Veranstaltungen wie der Frankfurter Weihnachtsmarkt werden in der Regel umfassend geschützt, bislang am Boden. Die Herausforderung der Drohnenabwehr lässt sich nicht mehr kleinreden. Und damit beginnt eine heikle Aufgabe, denn ein Flughafen oder ein Umspannwerk bieten andere Möglichkeiten für die technische Abwehr von unbemannten Fluggeräten und im Extremfall auch für den Abschuss, als beispielsweise die räumliche Enge in der verwinkelten Frankfurter Altstadt.
Vor den Toren Frankfurts, im Taunus und auch in der Landeshauptstadt, ist das Polizeipräsidium Westhessen die zuständige Behörde. Die dortigen Weihnachtsmärkte sind wesentlich kleiner, wenn man von Bad Homburg und Wiesbaden absieht.
Nachfrage, ob hier Kräfte zur Drohnenabwehr vorhanden sind: „Die hessische Polizei setzt bereits erfolgreich polizeiliche Einsatzmittel zur Drohnendetektion und -abwehr ein. Nähere Angaben zu den entsprechenden Einsatzmittel können aus einsatztaktischer Sicht nicht erfolgen.“
Wie sieht es aus, wenn im Zuständigkeitsbereich des Präsidium mehrere Veranstaltungen parallel geschützt werden müssen: „Die Polizei nimmt bei Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten nur eine beratende Funktion ein. Schutzmaßnahmen sind grundsätzlich Aufgabe des jeweiligen Veranstalters. Gleichwohl wird die hessische Polizei ihre polizeilichen Maßnahmen und den begleitenden polizeilichen Einsatz lageangepasst an der jeweiligen Veranstaltung ausrichten, um so einen sicheren Verlauf zu ermöglichen, soweit dies möglich ist. Ebenfalls wird fortwährend die Gefährdungslage beurteilt.“ Der Polizeisprecher weiter: „Sollten Schutzmaßnahmen aufgrund einer besonderen Lageentwicklung erforderlich werden, so wird die hessische Polizei dies zeitnah und adäquat umsetzen. Die Polizei wird alles unternehmen, um Sicherheit auf den Weihnachtsmärkten bestmöglich zu gewährleisten.“
Ein Sprecher des Frankfurter Polizeipräsidiums sagte auf Nachfrage, dass die Zuständigkeit für die Drohnenabwehr beim Präsidium Einsatz liege. Das ist die zentrale Behörde für sämtliche spezialisierten Polizeikräfte der hessischen Polizei. Es ist am 1. November 2023 aus dem Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidium hervorgegangen.
Online-Radikalisierung
Unabhängig von der aktuellen Drohnen-Problematik hat sich das Phänomen der sogenannten „TikTok-Terroristen“ rasant weiter verbreitet. Junge Menschen, wie am 8. September der 16jährige Oberstufenschüler im türkischen Izmir, erleben ihre Verbundenheit zu einer terroristischen Organisation nur noch im Internet. Dort werden sie geschickt angestachelt und bekommen Online-Unterstützung für die Planung und Ausführung eines Anschlags. Im genannten Beispiel erschoss der Jugendliche mit einem Gewehr seines Vaters in einer Polizeiwache zwei Beamte und verletzte zwei weitere, einen davon schwer. Der Anschlagsort liegt in der gleichen Straße, in der der Schüler wohnt.
Alle Weihnachtsmärkte können Ziele sein
Wenn es um die Bedeutung als Finanz- und Wirtschaftsstandort geht, wird beispielsweise Eschborn gerne hervorgehoben. Ist das Thema Kriminalität oder geht es grundsätzlich um Sicherheitsfragen, dann ist nur noch von dörflicher Idylle die Rede. Diese politisch motivierten Wechselbäder haben nichts mit der Realität zu tun.
Auch in einer kleineren Stadt kann ein Jugendlicher seine Radikalisierung vor Ort ausleben. Ein Anschlag mit Drohnen auf den Weihnachtsmarkt, bei dem der Täter zunächst im Dunkeln bleibt, würde es genauso in die Medien schaffen wie in Frankfurt oder einer anderen Großstadt.
(Titelfoto von Bernd Thomas auf Pixabay)