Seit der → heimliche Schießstand in den verlängerten Unterwiesen noch vor dem letzten Wochenende eilig abgebaut wurde, rücken zwei ganz neue Geschichten im Gemarkungsdreieck Eschborn-Rödelheim-Sossenheim ins Blickfeld.
Dort wo noch kurz zuvor auf eine Mannscheibe geballert wurde, fallen jetzt rote Bänder im Gestrüpp auf, die eine schwarze Röhre markieren. Die Holzeinlage, die kleinen Nagetieren wie Haselmäusen oder Gartenschläfern das sichere Hineinklettern und die Einrichtung eines Nests ermöglicht, lag am Tag nach dem „Putzen“ hinausgerissen am Boden.
Im größeren Umfeld des → „Combat-Verstecks“ zeigen rote Markierungsbänder an mehreren Stellen weitere Niströhren an, die mit Kabelbindern an Ästen fixiert sind.
Keine Post von der Haselmaus
Bei der Vor-Ort-Recherche am Sonntag, gemeinsam mit einem Naturschutzexperten, tauchte plötzlich ein junger Mann aus Richtung Eschborn kommend auf einem Trampelpfad durchs Buschwerk auf. Er fühlte sich durch die Anwesenheit von zwei Personen, die an der Böschung der A 66 recherchieren, sichtlich gestört. Sein zielstrebiger Weg ging zur kleinen Westerbachbrücke und dort fingerte er im Geäst herum.

Das Depot
Bei näherer Betrachtung wenig später, die der junge Mann nach seinem Rückzug von der Ferne aus genau beobachtete, war auch dort eine Niströhre aufgehängt, die Holzeinlage lag kaputt auf der Brücke davor. Der junge Mann wird in der Röhre wahrscheinlich nicht nach einem Brief von der Haselmaus gesucht haben.
Wer hat die vielen Niströhren zu welchem Zweck aufgehängt?
Die Nachfrage am Montag beim Naturschutzbund NABU in Frankfurt verlief negativ, ebenso beim Senckenberg Forschungsinstitut. Die Wissenschaftler sind zwar mit der Suche nach Haselmäusen und Gartenschläfern befasst, allerdings nicht in diesem Bereich.
Auch das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt hat keine Kenntnisse über eine Untersuchung in diesem Abschnitt.
Eine mögliche Spur
Susanne Steib, die Managerin für Naturschutzprojekte beim BUND Landesverband Hessen, sagte auf Nachfrage: „Der BUND hat hier keine Spurtunnel für den Gartenschläfer ausgebracht. Es wird sich um Nest-Tubes zum Nachweis von Haselmäusen handeln, wie sie regelmäßig im Zuge von Gutachten bei Bauvorhaben eingesetzt werden. Für die Ausbringung verantwortlich ist der jeweilige Gutachter.“
Wenige Meter neben der Bundesautobahn 66, an deren Böschung viele Niströhren zu finden sind, gibt es bereits Rodungen für die geplante Regionaltangente West (RTW).
Die Firma „Baader Konzept“ in Mannheim nimmt unter anderem für das RTW-Projekt Kartierungen von Tierpopulationen vor, allerdings aktuell an ganz anderer Stelle. Die Nest-Tubes seien nicht aus ihrem Haus und hätten nichts mit der RTW zu tun, war telefonisch zu erfahren.
Der nächste Tipp aus Gutachterkreisen bezieht sich auf den geplanten Ausbau des Frankfurter Nordwestkreuzes, allerdings betrifft dieses Vorhaben im Bundeswegeplan 2030 den Streckenabschnitt der A 5 zwischen Frankfurter Kreuz und Friedberg. Ein Zusammenhang zu dem Bereich, an dem aktuell die Niströhren verteilt sind, ist nicht ersichtlich.
Update vom 06.05.2021:
Das Rätsel ist noch nicht gelöst
Die Fachleute des bundeseigenen Autobahnbetreibers haben nach Auskunft von Pressesprecher Steffen Rütenfrans bestätigt, dass es sich um „Haselmaus Tubes“ handelt, aber: „Die Autobahn GmbH hat im Umfeld der BAB 66 keine Untersuchung von Tierpopulationen beauftragt.“ Möglicherweise seien dies Nachlässe aus früheren Untersuchungen, worüber aber keine Informationen vorlägen.
Einige der Röhren sehen nagelneu aus, so dass diese noch nicht so lange hängen können. Um das Rätsel, wer sie warum aufgehängt hat, zu lösen, ist jetzt der Hinweis eines Insiders oder Informanten erforderlich. Bis dahin bleibt der Fall offen.
(Die Karteneintragungen sind aktualisiert)

Ausgewählte Standorte einiger Nest-Tubes, Kartenausschnitt von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL