Abstrakte Gefahr, konkrete Maßnahmen

Überfahrsperren – auch spöttisch „Merkel-Lego“ genannt – gehören nun zum festen Stadtbild in Frankfurt. Bisher wurden diese Sicherheitsbarrieren nur zu Absicherung von Weihnachtsmärkten und anderen großen Veranstaltungen aufgestellt, jetzt haben sie feste Plätze.

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill und Ordnungsdezernent Markus Frank besiegelten am heutigen Mittwoch bei einem Pressetermin auf dem Opernplatz die Aufstellung der Fahrzeugblocker.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill und Ordnungsdezernent Markus Frank.

„Uns geht es nicht um Ästhetik, wir tun was wir tun müssen“, erklärte Frank vor Reporterinnen, Kameraleuten und Fotografen.

Opernplatz – Hauptwache – Konstablerwache – Römer

Bis versenkbare Überfahrsperren und optisch ansprechendere Barrieren zur Verfügung stehen, werden vier Plätzen in Frankfurt mit den jeweils 3,6 t schweren Betonklötzen gegen Terrorattacken mit Fahrzeugen gesichert. Hundertprozentige Sicherheit gäbe es aber nicht, fügte der Ordnungsdezernent hinzu.

Blick vom Frankfurter Opernplatz in Richtung Bockenheimer Landstraße.

Fixierung auf islamistischen Terror

„Wir haben weiterhin eine abstrakte Gefährdungslage in Deutschland“, sagte Polizeipräsident Bereswill. Die steigenden Zahlen bei Salafisten nannte der Frankfurter Polizeichef als Beleg und berief sich auf Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Demnach seien von den über 10.000 Anhängern unter 2.000 gefährlich. „Konkrete Hinweise auf irgendwelche Anschläge haben wir nicht.“

Weichziele im Terror-Fokus

Grundsätzlich gelten alle Orte und Veranstaltungen mit hohen Besucherzahlen als gefährdet. Die Anschläge mit Fahrzeugen im vergangenen Jahr, bei denen Islamisten in Menschenmengen rasten, sind die der Ausgangspunkt für die Abwehrmaßnahmen der Sicherheitsbehörden in europäischen Metropolen.

In Frankfurt haben Polizei und Stadtverwaltung die Plätze und Örtlichkeiten analysiert, an denen erfahrungsgemäß viele Menschen unterwegs sind. „Zwei Plätze bereiten uns dabei besondere Sorge, der Opernplatz und die Hauptwache“, erläuterte Gerhard Bereswill. An beiden Orten konnte bislang ein LKW problemlos mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmengen fahren. Seit heute geht das nicht mehr.

Der untere Baustein wiegt 2,4 Tonnen, der obere 1,2 Tonnen. Insgesamt 18 dieser Barrieren sichern den Opernplatz.

Längs statt quer

Stadtrat Markus Frank griff die im Fernsehen und Internet gezeigten Tests mit Fahrzeugsperren auf, die bereits kleineren Lkws nicht standhielten. In Frankfurt werden deshalb jeweils zwei Betonklötze übereinander längs – und nicht quer – auf Anti-Rutschmatten gestellt.

Bei der Auswahl der zukünftig fest verbauten Barrieren, die sich elektrische versenken lassen sollen, gäbe es noch Probleme mit den unterirdisch verlaufenden Daten- und anderen Versorgungsleitungen, sagte Frank.

„Wir können nicht jede Bushaltestelle in eine Hochsicherheitszone verwandeln“, sagte der Ordnungsdezernent. Neben den vier genannten Plätzen werden zukünftig Feste und Veranstaltungen, bei denen viele Menschen sogenannte „Weichziele“ bilden, mit Überfahrsperren gesichert.

Bei allen verbarrikadierten Plätzen bleiben trotzdem Zufahrtswege für Rettungsdienste und Feuerwehr. Die Rettungsleitstelle würde die Anfahrtsrouten im Einsatzfall steuern, erklärte Frank. Man habe auch die größeren Wendekreise der neuen Drehleiterfahrzeuge mitberücksichtigt.

Wie erfolgen zukünftige Terror-Attacken?

Für die Abwehr von Fahrzeugattacken hat sich Frankfurt nun partiell gerüstet. Andere Anschlagsformen stellen weiterhin unkalkulierbare Risiken für Menschenmengen dar.