„Am frühen Abend des 1. April 1963 gingen in einer alten Bauernscheune in Eschborn am Taunus die Lichter an.“ Mit diesen Worten beschreibt Rainer Holbe die historischen Anfänge des ZDF-Sendebetriebs. Dort wo heute die Kita Südwest und ein Hochhaus stehen mussten vor 50 Jahren TV-Moderatoren und Techniker bei schlechtem Wetter durch Matsch waten, um zu den Sendebaracken des Zweiten Deutschen Fernsehens zu gelangen.
Bei einer Feierstunde mit Talkrunde im Stadtverordnetensaal erinnerten Rainer Holbe, Dieter Kürten, Dieter Stolte, Wolf von Lojewski, Theo Koll und die erste Ansagerin des Senders, Viktoria Voncampe, an die Anfänge des ZDF. „Telesibirsk“, so wie das provisorische Sendezentrum auf einer ehemaligen Lehmgrube im damaligen kleinen Bauerndorf Eschborn von den Mitarbeitern genannt wurde, zog bereits ein Jahr später auf den Mainzer Lerchenberg.
„Schade, dass es weg ist. Wir hätten es auch gut gebrauchen können.“, kommentierte Bürgermeister Wilhelm Speckhardt den damaligen Umzug. „Wir schalten zurück nach Eschborn“, wäre eine tolle Werbung in Live-Sendungen, sagte der Rathauschef schmunzelnd. Allerdings hätten ca. 100 ha für ein neues großes Sendezentrum die verfügbaren Gewerbeflächen und damit die Gewerbesteuereinnahmen für Eschborn stark beschnitten.
Was in der illustren Talkrunde auffiel, war das Lob für die großen journalistischen Freiheiten, die Mitarbeiter beim ZDF nach den Erlebnisschilderungen hatten. Der ehemalige Intendant Dieter Stolte versuchte die euphorischen Erzählungen von selbst gewählten Reportagereisen rund um den Globus zu dämpfen. Theo Koll nutzte die Talkrunde, um die Zwangsabgabe der deutschen Rundfunkgebühren als weltweit einzigartigen Glücksfall für unabhängigen Fernsehjournalismus darzustellen.
Rainer Holbe, der die Talkrunde moderierte, hat die vielen Geschichten und Anekdoten aus 50 Jahren Fernsehgeschichte beim ZDF in seinem Buch „Als die Mainzelmännchen laufen lernten“ aufgeschrieben und mit Fotos angereichert. Holbe stammt aus Eschborn und begann seine journalistische Laufbahn bei der Frankfurter Rundschau. Von seinem Elternhaus im Alten Höchster Weg aus beobachtete er das Geschehen in den Sendebaracken weniger Meter weiter, bis er selbst zum Zweiten Deutschen Fernsehen wechselte.