Acht Frauen, eine Leiche und düstere Geheimnisse

Es ist alles nur Theater und zwar auf engstem Raum. Wenn heute Abend nach 19.30 Uhr ein Toter mitten im Kleist-Forum auf einer der fünf Bühnen liegt, dann sitzen die Besucher wortwörtlich mitten im Geschehen. Zur Umsetzung der Kriminalkomödie „8 Frauen“ haben die Schüler ein Bühnenkonzept entwickelt, bei dem die Zuschauer „umspielt“ werden. Das fast hautnahe Erleben des Stücks von Robert Thomas hat auch seinen Preis: es stehen nur 95 Sitzplätze zur Verfügung.

Seit Oktober 2009 laufen die Vorbereitungen für die Kriminalkomödie in den beiden Kursen „Darstellendes Spiel (DS)“ der Stufe 13. An den insgesamt zwei Aufführungen sind 32 Schülerinnen und Schüler beteiligt, erzählt Antonia Nickel, die zusammen mit ihrem Lehrerkollegen Thomas Kräutle die Spielleitung hat. Das Besondere an dieser Inszenierung: Es gibt keine Hauptdarsteller, sondern nur gleichwertige Rollen. Alfred Hitchcock erwarb in der Absicht einen Film zu drehen die Rechte an dem 1961 erstmals aufgeführten Theaterstück. Allerdings verstarb er vor der Umsetzung. Die HvK musste für die Umsetzung und Aufführung die Rechte käuflich erwerben, weil der Tod des Autors noch keine 70 Jahre zurückliege, erklärt Antonia Nickel.

Der Tote im Kleist-Forum erlag allerdings nicht einem Herzinfarkt, wie Robert Thomas, sondern in seinem Rücken steckt ein Dolch. Alle acht Frauen geraten unter Verdacht, denn jede hat ihr schmutziges Geheimnis. Damit alle Schülerinnen und Schüler aus dem Theaterunterricht zum Zug kommen, werden die einzelnen Rollen abwechselnd von verschiedenen Schauspielern dargestellt. Mit einer kurzen Einführung per Diashow am Anfang bekommen die Zuschauer die Besetzung gezeigt.

Die Charaktere für die Figuren haben die Schüler selbst entwickelt. Aber nicht nur die Dramaturgie und das Schauspielern gehören zum DS-Unterricht, sondern auch die technischen Aufgaben bilden gleichwertige Funktionen, erläutert Antonia Nickel. Die Schüler entscheiden sich selbst für ihren Weg. Pro Schuljahr wird ein Theaterstück umgesetzt, sagt Thomas Kräutle. Die „8 Frauen“ werden in enger Zusammenarbeit mit dem English Theatre Frankfurt realisiert. Beispielsweise stammt ein Teil der Kostüme von dort. Und die DS-Techniker aus der HvK hatten die Möglichkeit bei den professionellen „Light Designern“ in Frankfurt über die Schultern zu schauen. Möglich ist dies durch die finanzielle Förderung Eschborns für ausgewählte Frankfurter Kultureinrichtungen, zu denen auch das English Theatre gehört. Im Gegenzug gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen.

Wer ist nun die Mörderin von Marcel? Wer jetzt noch keine Eintrittskarte hat kann es leider nicht mehr persönlich herausfinden, da aufgrund der begrenzten Zuschauerzahl beide Vorstellungen bereits ausverkauft sind.

(veröffentlicht im Höchster Kreisblatt am 09.02.2010)