Kampf gegen Lebensmittelimitate

Die Testverköstigung für die Presse
Die Testverköstigung für die Presse

„Skandalös“ sind für den Ersten Kreisbeigeordneten und Verbraucherschutzdezernenten Hans-Jürgen Hielscher die Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln. Der MTK wird deshalb ab sofort verstärkte Kontrollen bei den 834 Gaststätten, Pizzerien und Imbissen im Kreis durchführen. Kein Pardon mehr für nicht deklarierten „Schummelkäse“ oder „Mogelschinken“.

„Pizza mit Lebensmittelzubereitung aus Magermilch und Pflanzenfett sowie zusammengefügten Putenfleischstücken“ muss beispielsweise nach gültiger Rechtslage auf der Speisekarte einer Pizzeria stehen, die künstlich hergestellten Käse und Schinken verwendet. Welcher Gast wird da noch genüsslich zugreifen wollen? Und genau darauf zielen die verschärften Maßnahmen des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz im Main-Taunus-Kreis ab. „Wir wollen den Verbraucher in die Lage versetzen zu wissen, was er isst.“, betonte Hielscher.

Betrug am Verbraucher

In der ersten Jahreshälfte 2009 wurden bereits 693 Kontrollen im MTK durchgeführt. In 141 Fällen gab es nicht das zu essen, was auf der Speisekarte drauf stand. „Das ist nicht nur Betrug am Verbraucher, sondern auch gefährlich. Allergiker, die auf bestimmte Zusatzstoffe reagieren, müssen wissen, was sie da essen.“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete.

Um das politische Ziel, eine bessere Information der Verbraucher zu erreichen, hatte der Kreis zu einer besonderen Pressekonferenz geladen. Den Medienvertretern wurden verschiedene Lebensmittelimitate und auch das Original zur vergleichenden Verkostung serviert. Der Main-Taunus-Kreis will nach den Worten von Hans-Jürgen Hielscher bei den Eigenbetrieben, wie z.B. Kreiskrankenhäusern, selbst mit gutem Beispiel voran gehen, auch wenn sich dadurch der Einkaufspreis für die Lebensmittel geringfügig erhöht.

Schwarze Schafe sollen an den Pranger

Im Restaurant oder beim Lieblingsitaliener um die Ecke soll der Verbraucher aufgrund einer korrekten Deklaration seine Entscheidung selbst treffen können. Die bundesweite Initiative, zukünftig schwarze Schafe zu veröffentlichen, begrüßt Hielscher ausdrücklich. Bis zu 25.000 Euro Bußgeld sind fällig, wenn die Lebensmittelkontrolleure fündig werden. Vier Planstellen hat der Main-Taunus-Kreis für diese Kontrollaufgaben derzeit, allerdings sind nur zwei Mitarbeiter einsatzbereit. Eine Kontrolleurin befindet sich im Mutterschutz, ein neuer Mitarbeiter gerade in der Ausbildung.

Landwirt Manfred Uhrig, der sich in seinem Sulzbacher Betrieb auf die Milchwirtschaft spezialisiert hat, erläuterte in der Pressekonferenz, dass derzeit jährlich 110.000 Tonnen „Analogkäse“ in Deutschland hergestellt werden. Dies entspricht in etwa der gesamten produzierten Milchmenge aller hessischen Milchbauern zusammen.

Dem Verbraucher bleibt nur der genaue Blick auf die Packungsangaben im Supermarkt und der genaue Blick auf die Speisekarte. Alternativ bieten sich mancherorts Einkaufsmöglichkeiten in Hofläden, direkt beim Erzeuger oder auf Bauernmärkten.

(veröffentlicht im Eschborner Stadtmagazin am 15.07.2009)