Die Macht der Geheimdienste

Wer ermöglichte den Siegeszug Napoleons hinter den  Kulissen, wer baute den ersten  professionellen englischen Geheimdienst auf und wie wurde die Enigma geknackt?

Insgesamt 15 freie Journalisten, Autorinnen und Redakteure des Nachrichtenmagazins SPIEGEL haben in dem Buch über Agenten, Spione und Spitzel einen Einblick geschaffen, in das wahrscheinlich älteste der Gewerbe der Welt.

Uwe Klußmann und Eva-Maria Schnur sind die Herausgeber dieses Sammelbands von hintergründigen Artikeln über berühmte und unbekannte Spione und Geheimdienstoperationen.

Obwohl bereits im alten Ägypten Spione organsiert im Einsatz waren und schon Moses laut dem Alten Testament der Bibel Kundschafter mit klarem Auftrag losschickte, gilt geschichtlich erst die Zeit ab dem Mittelalter als Beginn von professionalisierter Geheimdienstarbeit. Historiker mögen darüber streiten.

Nach einem geschichtlichen Abriss bis zum 16 Jahrhundert von Georg Bönisch,  steigt Sebastian Borger mit seinem Kapitel über Francis Walsingham in die Details der Geheimdienstarbeit ein. Walsingham etablierte für die englische Königin Elizabeth I. (sie regierte von 1558 bis 1603) einen Auslandsnachrichtendienst und eine landesinterne Geheimpolizei.

Wer sich für Organisationsfragen von Spionagetätigkeiten interessiert kommt in dem Sammelband genauso auf seine Kosten wie der Interessierte an berüchtigten Geheimdienstaktionen und Skandalen. Das Kapitel über den Gründer des Bundesnachrichtendienstes, Reinhard Gehlen, verrät bereits in der Überschrift „Rechtsabbieger“ die Stoßrichtung des Autors Michael Sontheimer. Hier hätte man sich mehr geschichtlich interessante Details aus der Arbeit des deutschen Auslandsgeheimdienstes gewünscht und weniger eine politische Schelte gegen die Übernahme ehemaliger Mitarbeiter mit NS-Vergangenheit.

Die historisch jüngeren Kapitel über die Iran-Contra-Affäre oder die französischen Geheimdienstoperationen gegen Greenpeace oder den Geheimdienstkrieg am Hindukusch, wecken bei fortgeschrittenen Lesern Erinnerungen an die Zeitungsartikel und Sondersendungen aus der jeweiligen Zeit.

Mit den letzten beiden Kapiteln erfährt der Leser wo wir heute stehen und wohin die Reise für die Geheimdienste geht. Edward Snowden, der Cyberwar und der Fall Skripal sind Begriffe, zu denen auch Jüngere einen Bezug aus den Nachrichten der vergangenen Jahre haben.

Bei 15 verschiedenen Autorinnen und Autoren liest sich nicht jeder Beitrag in gleicher Weise flüssig, dafür wecken die unterschiedlichen Blickwinkel auf das Thema Spionage die Lust das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen und sich weiterführende, vertiefende Literatur zu speziellen Fragen zu holen. Eine umfassende Liste findet sich im Buch selbst.

Herausgeber: Deutsche Verlags-Anstalt „DVA“ gemeinsam mit dem SPIEGEL–Buchverlag. Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten, ISBN: 978-3-421-04862-2, € 20,00 [D] inkl. MwSt.

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