CD-, Kopier- und Rathausaffäre

Arbeitsauftrag, Datumsfehler und fröhliche Tage auf Teneriffa

Der Inhalt des Stoffbeutels vom 4. Advent 2014.

Der Auftakt im Strafprozess gegen Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger hätte merkwürdiger nicht sein können. Ein unscharfes Datum blendet eine gravierende Tatsache aus und eine gute Bekannte des Angeklagten sitzt im fünfköpfigen Richterteam.

Wer als Beobachter mit Hintergrundwissen die Berichterstattung über den ersten Verhandlungstag am Freitag aufmerksam verfolgt, muss irritiert sein.

„Der 60 Jahre alte FDP-Politiker steht im Verdacht, zwischen 2012 und 2014 als Stadtrat vertrauliche Dokumente fotografiert und sie einem befreundeten Rechtsanwalt gegeben zu haben.“ zitiert beispielsweise die Süddeutsche Zeitung die Nachrichtenagentur dpa. Ähnlich formuliert steht es in den anderen Artikeln.

CD mit Arbeitsauftrag

Die Aussage ist aber in Bezug auf sechs Datenträger falsch, was das Fotografieren betrifft. Die älteste der 16 an die Polizei weitergereichten CDs trägt das Datum 13.05.2010 (siehe Foto) und enthält 159 Bilddateien, die laut der „Exif-Daten“ zwischen dem 21.03. und 13.05.2010 aufgenommen wurden. Dass die mitgespeicherten Metadaten mindestens bei der Jahresangabe richtig sein müssen, beweisen die abgebildeten Szenen auf einigen Fotos.

Außer diversen Dokumenten, unter anderem Gewerbesteuerbescheide, handschriftliche Notizen von städtischen Mitarbeitern, ausgedruckte E-Mails usw. finden sich auch Fotos von der Übergabe eines Löschfahrzeugs an die Freiwillige Feuerwehr Niederhöchstadt. Dieser Festakt fand damals am Muttertag, am 9. Mai 2010, statt.

Pikant

Bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2011 bildeten der damalige Bürgermeister Wilhelm Speckhardt und der Erste Stadtrat Mathias Geiger ein Team in der vertraulichen Koalitionsrunde, zusammen mit führenden Köpfen aus CDU und FDP.

Für wen gilt der Arbeitsauftrag?

In mehreren CD-Hüllen klebten Notizen mit Hinweisen zu Bildnummern und auch ein Arbeitsauftrag: „noch zu durchforsten!“. Eine Analyse der Handschrift dürfte für die Ermittlungsbehörden kein Problem gewesen sein. Vielleicht gibt es dazu ein Ergebnis im Laufe der Zeugenbefragungen vor Gericht, denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob die CDs nur weitergegeben oder mit einem konkreten Arbeitsauftrag versehen wurden.

Dickes Gemüse und Helau

In den Mitteilungen aus dem Rathaus vergangene Woche lacht Mathias Geiger beim Erntedank der Kleingärtner gemeinsam mit der Frau auf dem Pressebild, die am Freitag als Schöffin in seinem Strafverfahren im Gerichtssaal saß.

Man kennt sich schon länger. Beim Empfang für den Karnevalsverein „Eschborner Käwwern“ auf Teneriffa im Februar diesen Jahres, stehen beide zusammen mit Narrenkappe am Mikrofon, wie die Vereinswebsite „www.eschborner-kaewwern.de“ mit Foto und Text unter „Aktuelles“ dokumentiert.

Können so gute Bekannte ein unabhängiges Urteil fällen?


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