Jeder Hinweis zählt

Die Polizei muss in Schwalbach eine komplexe Lage bewältigen, in der es vor allem an weiterführenden Informationen fehlt. vl: Kriminalhauptkommissar Andreas Beese, Leitender Polizeidirektor Malte Neutzler, Kriminaloberrat Michael Mayer, Erster Polizeihauptkommissar Uwe Schneider

Bis zum heutigen Freitag haben der oder die Brandstifter, Trittbrettfahrer oder wer auch immer 33-mal in Schwalbach Feuer gelegt. Seit dem 9. Mai läuft diese „neue Serie“, zu der auch Steinwürfe auf Polizeibeamte und weitere Sachbeschädigungen zählen. Inzwischen brennt es jede Nacht. Zu den Tätern führt bisher noch keine heiße Spur.

Am Freitagvormittag hatte die Polizei zur Pressekonferenz geladen, um über die wieder aufgeflammten Probleme in der Limesstadt zu informieren. „Es ist eine völlig andere Lage als letztes Jahr„, sagte der Leitende Polizeidirektor Malte Neutzler, der seit Juli der „Abteilung Einsatz“ im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden vorsteht.

Bisher fast 50.000 Euro Sachschaden

Im aktuellen Fallkomplex geht es nicht mehr um Raubdelikte oder Drogenhandel im Bereich des Marktplatzes, sondern hauptsächlich um „Brandlegungen“ im räumlichen Umfeld. Deshalb können die 17 Überwachungskameras auf dem Marktplatz, die im nächsten Monat in Betrieb gehen sollen, zur Aufklärung der aktuellen Fälle wenig bis nichts beitragen.

Auch die Steinwürfe und Angriffe auf Polizeibeamte spielten sich auf den Straßen rund um die Wohnstadt Limes ab und nicht auf dem zentralen Marktplatz. Die bauliche Situation mit den vielen kleinen Fußwegen und guten Versteckmöglichkeiten erschwert die aktuellen Ermittlungen.

Polizeihauptkommissar Markus Hoffmann, der Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Westhessen, zeigt die Tatortekarte der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Schwalbach. Der angezündete Altpapiercontainer aus der letzten Nacht ist händisch nachgezeichnet, unterhalb von Tatort Nr. 12.

Kriminalhauptkommissar Andreas Beese erläuterte den anwesenden Journalisten die Kernprobleme. Brandermittlungen seien aufwendig und das Suchen nach Spuren im Brandschutt sehr kleinteilig. Zur zentralen Frage nach den Tätern sagte Beese, der die 10-köpfige Ermittlungsgruppe für Schwalbach leitet: „Da ist gegenwärtig vieles denkbar, Einzeltäter oder aus Gruppen heraus oder Trittbrettfahrer oder ein Pyromane.“ Bisher gäbe es zwar einzelne Hinweise zu Personen und Fahrzeugen, aber der Durchbruch fehle noch immer. Man wolle sich nicht in Spekulationen über mögliche Täter verlieren, sondern rein an den Fakten orientieren.

Die Steinwürfe auf Polizeifahrzeuge aus Deckungen heraus werten die Ermittler als Racheaktion auf die verstärkten Personen- und Fahrzeugkontrollen. Die Branddelikte grenzt die Polizei davon deutlich ab.

Einschub

Nicht an den Ermittlungen beteiligten Sicherheitsexperten und Beobachtern fällt es leichter Hypothesen zu den Tätern zu äußern. Organisiertes Bandenverhalten oder eine Mischform, bei der auch ein professioneller Brandstifter für einen Teil der Taten verantwortlich sein könnte, ist da zu hören.

Anreiz für sachdienliche Hinweise

Derzeit ist die Polizei in Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt, um eine Belohnung auszuloben. Nächste Woche soll es dazu Konkretes geben.

Hilfreicher Blasendruck

Der eindringliche Appell an die Bürger lautet, alle Feststellungen und Beobachtungen unverzüglich zu melden und wenn sie auch noch so unwichtig erscheinen. Ein einprägsames Beispiel wie dringlich Hinweise für die Ermittlungen sind, war der nächtliche Gang zum Klo. Wer nachts raus muss und aus dem Fenster jemanden an den Müllcontainern beobachtet, solle sofort die 110 wählen.

Die Polizei wird weiterhin mit verstärkten Kräften in Schwalbach im Einsatz sein, dazu gehören uniformierte und zivile Beamte aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Westhessen und auch Unterstützungskräfte der Bereitschaftspolizei.

Ganz ausdrücklich dankte die Polizei heute der Freiwilligen Feuerwehr Schwalbach, deren ehrenamtlichen Kräfte inzwischen jede Nacht, manchmal sogar mehrmals, zum Löscheinsatz ausrücken müssen.

Kein Personenschaden durch die Brandstiftungen

Bislang gingen Müllcontainer, aber auch zwei Autos und zwei Parkbänke in Flammen auf. „Gott sei Dank sind wir weit davon entfernt, dass Wohnhäuser oder Geschäfte angesteckt werden.“, sagte Kriminaloberrat Michael Mayer. Hoffentlich behält er Recht.

Lieber einmal zu viel anrufen

Wer Beobachtungen macht kann diese rund um die Uhr an die Polizeidirektion Main-Taunus in Hofheim unter Tel. (06192) 2079 – 0 melden, oder direkt die 110 wählen, wenn es eilige Feststellungen sind.


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