Ölverschmutzung wird zum veritablen Kriminalfall

Zwei getrennte Kanäle für Schmutz- und Regenwasser, im Bereich der Einmündung An den Neuwiesen/Unterortstraße. Was in den Regenwasserkanal gelangt, fließt nicht zur Kläranlage, sondern direkt in den Westerbach.

*Artikel aktualisiert*  – Bei den Ermittlungen, woher das Heizöl stammt, das vor zweieinhalb Wochen über einen Regenwasserkanal in den Westerbach gelangte, machten Mitarbeiter der Stadt Eschborn eine unglaubliche Entdeckung.

„Bei den Untersuchungen in diesem Fall wurde festgestellt, dass am Abwasserkanal manipuliert wurde und so das Öl in den Regenwasserkanal gelangen konnte.“, erläuterte Pressesprecherin Beate Brendel auf Nachfrage.

Das Umweltdezernat der Kripo hat inzwischen das Laborergebnis zu den Wasserproben vorliegen. Es handelt sich wie vermutet um Heizöl, sagte Polizeisprecher Johannes Neumann. Die Kriminalpolizei werde jetzt zusammen mit der Stadt weitere Ermittlungen durchführen.

„Das Sachgebiet Tiefbau hat umgehend veranlasst, dass diese widerrechtliche Öffnung des Schmutzwasserkanales wieder verschlossen wird.“, sagte die Rathaussprecherin weiter.

Neue Ausgangslage, bislang war nur vom Regenwasserkanal die Rede

Im Gespräch mit der Fachfirma, die das Heizöl am 11.05.2018 hinter der Barriere im Westerbach absaugte, stellte sich heraus, dass am darauf folgenden Tag beide Kanäle gespült wurden, der Regenwasserkanal und der Schmutzwasserkanal. Das Öl sei vom Schmutzwasserkanal in den Regenwasserkanal gelangt, hieß es. Das war eine völlig andere Ausgangslage, deshalb hakte der Eschborner Stadtreporter weiter nach.

Die Feuerwehr konnte nach eigenen Angaben rund 1000 Liter Heizöl in den Unterwiesen abfangen und aufstauen, das aus dem Regenwasserkanal stammte. Wie viel Öl im Schmutzwasserkanal zur Kläranlage gelangte, ist bislang unbekannt. Weiterhin offen ist auch die Frage der Umweltbelastung in den Unterwiesen. Die Beantwortung durch die Umweltbehörde des Kreises steht noch aus.

Nach der Kanalspülung am Samstag, den 12.05.2018 brachte eine Fachfirma das Wasser-Öl-Schlamm-Gemisch zur Hessischen Industriemüll GmbH (HIM) in Frankfurt. Wie eine Mitarbeiterin dort erklärte, seien 9,14 Tonnen angeliefert worden, was rund 9140 Litern entspricht. Bei der der Stofftrennung in einer Zentrifuge habe sich herausgestellt, dass der Öl-Anteil unter 2 % liege.

Wer jetzt beim Nachrechnen nicht versteht, wo die 1000 Liter Heizöl vom Freitagabend geblieben sind, ist nicht allein.

Offene Fragen

Warum manipuliert jemand den Abwasserkanal? Was ist bislang durch diese illegale Verbindung alles ungeklärt in den Westerbach gelangt? Spätestens jetzt müssten bei Eschborner Umweltschützern alle Alarmglocken läuten.


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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die 1000 Liter können am Freitagabend ja nur eine Schätzung gewesen sein. (hat man sich wohl verschätzt :-D) Es ist sicherlich nicht so einfach, die Menge im „fließenden Gewässer“ abzuschätzen. Man sieht vielleicht ungefähr die Fläche, aber weiß ja nicht, wie hoch die Lache liegt. Gut wenn es weniger war. Macht die Sauerei aber nicht kleiner.

  2. Ich glaube nicht, dass die Schätzung der Feuerwehr falsch war, denn sie beruht auf einem anerkannten Verfahren in solchen Fällen. „Die von der Polizei genannten ca. 1000 Liter seien eine Schätzung, die sich aus dem 20 Quadratmeter großen Ölteppich mit einer Höhe von 5 cm ergeben hatte, der sich vor der ersten errichteten Ölbarriere bildete, erklärte Dr. Mark.“ siehe Artikel „Auf der Suche nach dem Verursacher“

  3. Auch wenn das Schätzverfahren anerkannt gewesen sein sollte: es bleibt eine Schätzung.
    Genauigkeit liefert nur die Analyse.

  4. Das ist richtig, aber im vorliegenden Fall ist unklar geblieben, ob im Spülwassertank vom Samstag die Ölabsaugung vom Freitag enthalten war. Rechnerisch passt es auf jeden Fall nicht zusammen. Der gesamte Fall hat so viele Unschärfen. Es stand und steht der Stadt Eschborn jederzeit frei die Bürger umfassend über die Probleme im Kanalsystem zu informieren.

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