Wie aus einem Kultur- und Wirtschaftsforum nachträglich ein militärischer Ehrentag wird

Die Nordkorea-Konferenz in Eschborn Ende Juli war von Anfang an vielen lokalen politischen Kräften ein Dorn im Auge. Jetzt hat der Veranstalter in einer Nachlese selbst weiteren Zündstoff geliefert. Überschrift: „Internationales KFA-Meeting zur Verteidigung der DVRK am 26. Juli 2008 in Eschborn bei Frankfurt“.

Der Untertitel des Artikels lautet: „Aus Anlass des 55. Jahrestages des Sieges im Vaterländischen Befreiungskrieg“.

Der Stadtverordnetensaal im Eschborner Rathaus bekommt als Örtlichkeit eine Rolle in dem Bericht, die absolut unpassend ist: „Unsere Konferenz fand im großen Sitzungssaal des Eschborner Rathauses statt. Der Saal war mit der Flagge der DVRK und den Portraits von Kim Il Sung und Kim Jong Il geschmückt.“

Ursprünglich wurde die Veranstaltung von den Eschborner Linken als internationales Treffen der „Korean Friendship Association“ (KFA) angekündigt, die dem Ausbau der Beziehungen zur Volksrepublik dienen soll, unter anderem auch für interessierte Wirtschaftsunternehmen. So gestalteten sich dann auch die Veranstaltungsteile, die der Öffentlichkeit zugänglich waren.

Der Veranstalter auf deutscher Seite war Meinolf Mario Wulf. Auf seiner Website „korea-solidaritaetskommittee.de“ ist der Bericht mit dem umgewidmeten Konferenzthema zu lesen. Ob möglicherweise im nicht-öffentlichen Veranstaltungsteil der besagte Jahrestag gefeiert wurde und militärische Fragen im Mittelpunkt standen, bleibt unbeantwortet.

Auf Nachfrage der Eschborner Zeitung sagte Fritz-Walter Hornung, der auf Eschborner Seite die Rolle des Gastgebers vertritt, dass er den Zusammenhang zwischen Veranstaltungs- und historischem Termin bisher so nicht realisiert habe. Die Eschborner Linke betont die Trennung zwischen Gastgeber und Veranstalter und distanziert sich ein Stück weit.

Dem Eschborner Bürgermeister Wilhelm Speckhardt und auch dem Ersten Stadtrat Mathias Geiger sind durch ihr Fernbleiben an den Konferenztagen einige politisch brisante Momente erspart geblieben. Die anschließende Umwidmung des Konferenzthemas zeigt die Unberechenbarkeit solcher Zusammenkünfte.


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