Nordkorea-Konferenz

Das Pressegespräch am Nachmittag

Pressekonferenz im Stadtverordnetensaal: (vl) AlejandroCao de Benos, Meinolf Mario Wulf

Pressekonferenz im Stadtverordnetensaal: (vl) AlejandroCao de Benos, Meinolf Mario Wulf

Zum öffentlichen Teil der internationalen Konferenz der „Korean Friendship Association“ (KFA) waren am Samstagnachmittag Pressevertreter und interessierte Bürger in den Stadtverordnetensaal im Eschborner Rathaus eingeladen. Alejandro Cao de Benos übernahm als KFA-Präsident die Rolle des Vertreters für Nordkorea und stellte sich den Fragen.

Erstes Thema war die KFA selbst. Zurzeit hat die Organisation weltweit 7.000 Mitglieder, 160 davon in Deutschland und fünf im Main-Taunus-Kreis. In Deutschland ist Meinolf Mario Wulf der verantwortliche Delegierte. Er übersetzte während des Pressegesprächs die Fragen und Antworten ins Englische.

nimg_20080728_01_02Der KFA-Präsident Alejandro Cao de Benos ist gebürtiger Spanier und interessierte sich nach seinen eigenen Worten schon als Jugendlicher für philosophische und politische Fragen. Der Mangel an Informationen über die „Demokratische Volksrepublik Korea“ veranlasste ihn vor 17 Jahre dazu auf eigene Faust los zu gehen und Kontakte zu knüpfen. Inzwischen ist er der einzige nicht koreanisch-stämmige Staatsbürger Nordkoreas. Die nordkoreanische Staatsbürgerschaft wurde ihm ehrenhalber verliehen.

Im November 2000 gründete Benos die KFA, um weltweit auf kultureller Ebene die Isolation zu durchbrechen, in der sich die Volksrepublik befindet. Benos berichtet, dass man auf ihn von Regierungsseite in Nordkorea Anfang diesen Jahres zugekommen sei, um das inzwischen weit verzweigte Netz der KFA-Mitglieder auch für wirtschaftliche Kontakte zu nutzen. Seither stehen die Anbahnung von Joint Ventures zwischen ausländischen Investoren und dem nordkoreanischen Staat auf der Agenda.

Nordkoreas „Neuer Markt“

Auf die Frage nach den Gründen für einen Unternehmer, ausgerechnet in Nordkorea zu investieren, zählte Benos mehrere Argumente auf: Das politische System sei seit 1948 stabil, die Steuersätze seien die niedrigsten in ganz Asien, die ersten fünf Jahre sind steuerfrei für den Investor und die Lohnkosten lägen beispielsweise noch unter dem chinesischen Niveau. Arbeits- und die Produktionsqualität seien aber mit China vergleichbar.

Weil dem Plan der nordkoreanischen Regierung, den eigenen Markt zu öffnen, noch der schlechte Ruf des Landes entgegen steht, wird oftmals der Umweg über China gegangen. Beispielsweise, so berichtet Benos, werden die Sportschuhe einer weltweit namhaften Marke in Nordkorea gefertigt, auf dem Label steht aber „Made in China“. Ähnlich verhalte es sich bei einem bekannten österreichischen Hersteller von Musikinstrumenten.

Auf deutsche Firmen angesprochen, die bereits in Nordkorea ansässig sind, spricht Benos von mehreren IT-Unternehmen, die aber sicherheitshalber nicht namentlich genannt werden wollen. Der europäische Wirtschaftsvereinigung in Pjöngjang schickte offizielle Grußworte an die Eschborner KFA-Konferenz. Unterzeichnerin ist eine deutsche Unternehmerin.

Wer investiert, der will auch eines Tages seine Gewinne abschöpfen und zum Beispiel nach Deutschland transferieren. Dies funktioniere über das SWIFT-System, erklärt Benos, man nutze hierzu die Anschlüsse in China oder Russland. Eine weitere Möglichkeit sei die Bezahlung in Edelmetallen, wie Gold.

Vorsichtige Öffnung und Planwirtschaft

Der KFA-Präsident sagte aber auch unmissverständlich zur Marktöffnung in Nordkorea: „Eines ist sicher, die DVRK wird keinen Kapitalismus einführen!“ Ob sich Unternehmer davon und von der Missachtung von Menschenrechten, dem Fehlen von Presse- und Meinungsfreiheit abhalten lassen, darf bezweifelt werden. Sofern Nordkoreas neuer Markt gute Gewinnchancen bietet, fallen moralische und ethische Werte schnell unter den Tisch, so ist es beispielsweise auch in China.

Den Nachrichtendiensten dürfte wohl kaum entgangen sein, dass deutsche und europäische Unternehmen in Nordkorea bereits aktiv produzieren und einen wachsenden Handel betreiben. Die Duldung durch die deutschen und die europäischen Behörden, trotz Embargoliste, zeigt mal wieder, Geld stinkt eben nicht und Gold schon gar nicht.

Und wenn der neue Markt in Nordkorea langsam aber sicher, trotz Planwirtschaft, auf der internationalen politischen Bühne Salonfähigkeit erreicht, dann wird man am Wirtschaftsstandort Eschborn auch sehr schnell den Roten Teppich ausrollen, den man am letzten Wochenende im Keller versteckt hat.

KFA 2009

Übrigens: Im nächsten Jahr will die KFA ihre internationale Konferenz im italienischen Fermo abhalten, vor den Toren Roms.


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