Nordkorea-Konferenz in Eschborn

Wir sind dann alle mal weg

Viel Aufregung hinter den Kulissen verursachte die internationale Konferenz der „Korean Friendship Association“ am Samstag in Eschborn. Eigentlich war für diesen Tag auch ein Treffen zwischen offiziellen Vertretern der Stadt Eschborn und nordkoreanischen Diplomaten vom Veranstalter geplant. Doch als es darauf an kam waren alle „Offiziellen“ weg.

Bereits im Vorfeld wurde seitens der Stadt Eschborn klar, dass weder der Bürgermeister, noch der Erste Stadtrat oder sonst ein offizieller Vertreter mit den Nordkoreaner zusammen treffen wird. Von nordkoreanischer Seite reisten aus der Berliner Botschaft nur zwei der drei angekündigten Diplomaten an, der Botschaftsrat blieb gleich fern. Am Samstagvormittag entschieden auch der Attache und der 2. Sekretär der Botschaft Nordkoreas wieder vorzeitig zurück zu fahren. Übrig blieben die internationalen Delegierten der „Korean Friendship Association“ (KFA), an der Spitze ihr Präsident Alejandro Cao de Benos.

Als offizielle Begründung für das Fernbleiben nannte der Eschborner Bürgermeister einen anderen wichtigen Termin, mit ähnlicher Entschuldigung sagte auch der nordkoreanische Botschaftsrat seinerseits ab. Eschborns Erster Stadtrat reiste in den Urlaub und die verbliebenen beiden nordkoreanischen Diplomaten beriefen sich auf eine interne Dienstvorschrift, nach der Pressekontakte auf dieser Ebene nicht erlaubt seien. Damit waren alle „Offiziellen“ weg.

In der Pressemitteilung des Gastgebers, den Eschborner Linken, ist noch wenige Tage vorher von einer Teilnahme der nordkoreanischen Diplomaten an den öffentlichen Gesprächen ausgegangen worden. Inzwischen zeichnete sich aber immer klarer ab, dass man seitens der Stadt Eschborn kein Zusammentreffen wollte, bei dem beispielsweise ein Pressefoto vom Bürgermeister zusammen mit nordkoreanischen Diplomaten entstanden wäre. Auf nordkoreanischer Seite war man darüber alles andere als erfreut und reagierte entsprechend. Ob auch von weiteren politischen Stellen klare Worte hinter verschlossener Tür gefallen sind ist nicht bekannt.

Aus Sicht des Veranstalters, der deutschen Delegation der KFA, ist die gesamte Konferenz in Eschborn trotzdem ein Erfolg gewesen. Eschborn habe als Stadt, nach den Worten von Meinolf Mario Wulf, einen guten Eindruck auf die internationalen Delegierten der KFA gemacht.

Die Eschborner Wählergemeinschaft „Die Linke“ war Gastgeber, nicht aber Veranstalter der Konferenz. Fritz-Walter Hornung, Stadtverordneter der Linken, betont diese Unterscheidung, damit nicht die kommunale Wählergemeinschaft mit der „Korean Friendship Association“ (KFA) in einen Topf geworfen werde. Herr Hornung ist zwar selbst Mitglied der KFA, hat aber an verschiedenen Punkten, nach eigener Aussage, eine kritische Haltung gegenüber der „Demokratischen Volksrepublik Korea“.

(veröffentlicht in der Eschborner Zeitung am 19.07.2008)


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