Außenwirtschaft

Konferenz in Eschborn soll Startrampe für weitere Joint Ventures mit Nordkorea werden

In Eschborn wird Ende Juli eine internationale Konferenz stattfinden, die unter anderem weitere Wirtschaftskontakte zwischen deutschen Unternehmen und dem nordkoreanischen Staat befördern soll. Durch die offizielle Teilnahme nordkoreanischer  Diplomaten bekommt die dreitägige Veranstaltung eine außenwirtschaftliche Note.

Außenpolitik liegt  grundsätzlich in der Zuständigkeit des Bundes und nicht der Kommunen. Bei der  Außenwirtschaft sieht es aufgrund globalisierter Unternehmensstrukturen etwas  anders aus. Allerdings kommt es selten vor, dass kommunalpolitische Wählergemeinschaften die Initiative ergreifen und Diplomaten anderer Staaten  und inländische Unternehmen gemeinsam zu einer Konferenz an einen Tisch einladen.

Vom 25. bis zum 27. Juli tagt die internationale Konferenz der „Korean Friendship Association“  (KFA) in Eschborn. Tagungsort für die nichtöffentlichen Wirtschaftsgespräche  werden Räumlichkeiten im Eschborner Rathaus sein. Gastgeber ist die Eschborner  Wählergemeinschaft „Die Linke“, Veranstalter ist die KFA selbst.

Primäre Adressaten für  die Einladungsliste seien nicht die zahlreichen südkoreanischen Unternehmen in  Eschborn und Umgebung, sondern alle Firmen, die ein Interesse an einem Joint Venture mit Nordkorea haben, erklärt Meinolf Mario Wulf im Gespräch mit der Eschborner Zeitung. Herr Wulf ist der offizielle deutsche Delegierte der KFA. Die „Freundschafts- und Kulturorganisation“ wurde nach seinen Worten im Jahr 2000 von dem Spanier Alejandro Cao de Benos gegründet und soll durch internationale Kontakte Nordkorea aus seiner Isolation heraushelfen. Benos ist
der Präsident der KFA, ihm wurde die koreanische Staatsbürgerschaft ehrenhalber übertragen und er ist Ehrenmitglied der nordkoreanischen Armee.

In der Darstellung des  Politikwissenschaftlers und Nordkorea-Experten Stephan Blancke (siehe → Interview) liest sich das alles etwas anders.

Zu den Gesprächen in  Eschborn werden nach Auskunft von Meinolf Mario Wulf KFA-Mitglieder aus den USA, der Schweiz, Norwegen, Italien, Thailand und anderer Staaten kommen. Nach  aktuellem Stand sind es derzeit knapp 40 Konferenzteilnehmer, die Unternehmensvertreter – die bereits zugesagt haben – schon eingeschlossen.

Interessierte Wirtschaftsverteter sollen auf der Konferenz Hintergundinfos über die Möglichkeiten für ein unternehmerisches Engagement in Nordkorea aus erster Hand erhalten. Wulf nennt die niedrigen Lohnkosten, die noch unter dem chinesischen Niveau liegen, unter anderm als Anreiz für ein „Joint Venture“ mit der Volksrepublik. Aktuell suche man beispielsweise einen Interessenten für  eine Backwarenfabrik, so Wulf.

Ein symbolhafter Standort und ein Essen mit dem Bürgermeister

Ein Wirtschaftsstandort wie Eschborn ist sicherlich ein symbolträchtiger Tagungsort, zumal hier auch das „Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle“ BAFA seinen Sitz hat. Allerdings ist die „Demokratische Volksrepublik Korea“ nach wie  vor eine totalitäre Diktatur und somit kein Gesprächspartner, mit dem sich jeder nach außen schmücken will.

Für den Eschborner Bürgermeister Wilhelm Speckhardt ist die Teilnahme am Mittagessen eine brisante Situation. Einerseits gebietet es die diplomatische Höflichkeit die Vertreter eines anderen Landes zu begrüßen, andererseits wären Zeitungsfotos, Seite an Seite mit nordkoreanischen Diplomaten, ein Imageproblem für das konservativ-liberale Lager.

Aus Eschborner Politikkreisen war deshalb zu hören, der Bürgermeister solle sich mit einem plausibel klingenden Grund aus der Affäre ziehen.

Die zwei Seiten der gleichen Medaille

In diesem Zusammenhang darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass man im Eschborner Rathaus mit der Ansiedlung eines in Sicherheitskreisen umstrittenen, chinesischen IT- und Telekommunikationskonzerns keine Probleme hatte. China ist ebenfalls eine
Diktatur und gilt als „großer Bruder“ Nordkoreas. Unter anderem wird auf nachrichtendienstlichem Gebiet eng zusammen gearbeitet. In beiden Staaten
haben Menschenrechte und Pressefreiheit keinen Stellenwert. Repressionen durch
die Sicherheitsorgane gehören dort zur Tagesordnung.

Im jährlichen Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz werden China und Nordkorea jeweils in eigenen Kapiteln behandelt.

(veröffentlicht in der Eschborner Zeitung am 04.07.2008)


Anzeige