Schwalbach. Im Fahrstuhl stecken zu bleiben kann für Leute mit Platzangst zum Albtraum werden. Immer wieder den technischen Hausservice für eine Wohnungsbaugesellschaft ersetzen zu müssen ist für die Schwalbacher Feuerwehr inzwischen zum Regelfall und zum Kostenfaktor geworden.
In der Julius-Brecht-Straße 2 müssen die Bewohner seit geraumer Zeit mit einem immer schlechteren Hausservice leben, der jetzt in einer einwöchigen Stilllegung des Fahrstuhls gipfelte. Nachdem die Schwalbacher Feuerwehr in diesem Jahr bereits viermal Personen aus dem Fahrstuhl des zwölfstöckigen Hauses befreien musste, entschied Stadtbrandinspektor Josef Firle am 21. Februar erneut die vorläufige Stilllegung. Die vom Hauseigentümer, der Deutschen Annington, beauftrage Firma «DB Deutsche Bahn Facility Management» konnte die technischen Mängel erst am 2. März vollständig beheben und den Fahrstuhl wieder in Betrieb nehmen. Für Manuela Stiegler-Schuster, die im 11. Stock wohnt und ein fünfeinhalbjähriges Baby hat, bedeuteten die ständigen technischen Störungen jedes Mal einen Marsch über den Dachboden, um mit dem Kinderwagen auf die Straße zu gelangen. Zeit mit einem immer schlechteren Hausservice leben, der jetzt in einer einwöchigen Stilllegung des Fahrstuhls gipfelte.
Platine defekt
Das direkt angebaute Haus Nr. 4 ist über einen Fluchtweg im 12. Stock erreichbar, und von da geht es mit einem intakten Fahrstuhl nach unten. Für ältere, gehbehinderte Bewohner aus den Etagen auf halber Höhe, wie den Eltern von Dieter Wende, sind die ständigen Reparaturzeiten des Fahrstuhls eine Tortur, und machten Arztbesuche über Tage unmöglich. Wende, der selbst auch in dem Haus wohnt, machte das Kreisblatt auf diese Zustände aufmerksam.
Katja Weisker, die Pressesprecherin der Deutschen Annington in Bochum, sagte auf Nachfrage des HK, dass bei dem wiederholt defekten Fahrstuhl in der Julius-Brecht-Straße 2 eine Platine, ein Tacho und ein Magnetschalter ausgetauscht werden mussten. Die zuletzt sehr lange Reparaturzeit habe an einem Computerchip gelegen, der erst ausgelesen werden musste. «Nach menschlichem Ermessen sollte der Fahrstuhl wieder laufen», beteuerte Weisker. Die Erreichbarkeit des Reparaturdienstes liege nach unternehmenseigenen Erhebungen bei 80 bis 90 Prozent. Warum die Feuerwehr ersatzweise mehrmals anstelle eines technischen Fahrstuhlnotdienstes ausrücken musste, um die Personen aus dem defekten Fahrstuhl zu befreien, will die Pressesprecherin noch klären.
Die Deutsche Annington vermietet und verwaltet nach eigenen Angaben zurzeit bundesweit 217 000 Wohnungen, 220 davon in Schwalbach. Das Wohnungsunternehmen ist eine Schwestergesellschaft der britischen Annington Homes und zählt mit rund 630 Standorten in Deutschland zu den Marktführern.
(veröffentlicht im Höchster Kreisblatt am 04.03.2010)
